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CAMPINO – ein erwachsener Punkrocker

© VRD - Fotolia.com

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Andreas Frege kommt 1961 in Düsseldorf auf die Welt. Wie alle Babys mit zerzausten Haaren. Dass das aber mal zu seinem Markenzeichen wird, ahnte niemand. Seinen „süßen“ Namen verdankt er angeblich einem Bonbon dessen bunte Farben er sich wohl allesamt schon in die Haare färbte. Farben sind des Punkers wichtigste Begleiter. „Als Punk brauchst du nichts wissen und nichts können. Sag du bist Punk und fertig“. Eine von Campinos sinnvollen Aussagen zu Beginn seiner Karriere mit den Toten Hosen. Eine Flasche Bier in der Hand untermauerte dies wie selbstverständlich.

Doch manchmal entglitt Campino die Kontrolle über Sprache und Körper. Während einer Fernsehshow, in welcher es um die Glaubwürdigkeit von Rockbands bei Benefizkonzerten ging, schüttete er unkontrolliert Bier in sich rein. Derart vollgesoffen sprengte er die Sendung mit einer überflüssigen Ansprache ans Publikum. Die Show sei doch ziemlicher Sch… und wer morgen auf die Seite eins der Zeitung möchte soll sich doch bitte jetzt sofort ausziehen. Im Anschluss fiel er mehrfach sturzbetrunken um, hielt sich an Mitwirkenden fest und stolperte über das Mobiliar auf der Bühne. Anwesende Kollegen wie Heinz-Rudolf Kunze oder Udo Lindenberg wirkten eher betroffen als amüsiert.

In einem sehr menschlich nahem Interview mit dem WDR verriet er, dass es sein Bruder war, der ihm eine Woche später einen Brief schrieb und ihm mitteilte wie sehr er sich für ihn schämte.

In den Neunzigern gehörten Alkohol und Drogen zu jedem Konzert der Toten Hosen erzählt er: „Auf Droge war eben alles möglich. Man ist durch Scheiben gesprungen, hat sich in Scherben gewälzt. Für mich war’s ein Argument zu sagen – ich benutze alles um diesen Abend unvergesslich zu machen.“ So erklärt Campino die waghalsigen Aktionen, die ihm immer wieder auch Verletzungen einbrachten. „Teilweise war ich so euphorisiert, dass ich nichts spürte. Z.B. war der ganze Arm aufgeschlagen und das Fleisch hing raus. Das war ein Abend an dem ich dachte ich könnte fliegen, aber dem war nicht so. Doch bis zum nächsten Morgen, als ich wach wurde, hatte ich das nicht bemerkt.“

Nachdem er einmal längere Zeit wegen eines Stimmbandanrisses, nicht mitfeiern und rumgrölen konnte, bemerkte er wie steif er selbst war wenn nichts seine Sinne vernebelte. Fehlte da also was? Erstmal war das nur der Verlust der Lockerheit. Aber „the show must go on“.

„Also suchte ich nach Lösungen“ erzählt er weiter, „und entdeckte meine Antennen für unser Publikum. Auf einmal konnte ich Situationen viel besser einschätzen, und musste mir klar machen, dass man zwar alles großartig findet wenn man vollgepumpt ist bis unter die Schädeldecke, aber man kann nicht fühlen wie es im Publikum ankommt…“

Beim eintausendsten Konzert im Düsseldorfer Rheinstadion platzte dann der Knoten. „Die Menge war so begeistert und rannte so Richtung Bühne, dass irgendwo in diesem Gemenge ein Mädchen zu Tode getrampelt wurde.“ erzählt Campino mit ernster Miene, während des Interviews. Es sei gut gewesen, dass an dem Abend alle  ’Hosen’ nüchtern waren. „So konnten wir schnell und vernünftig reagieren. Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz rieten uns weiter zu spielen.“ So spielten sie ihr Konzert zu Ende, doch danach war nichts mehr wie vorher, und es folgte ein halbes Jahr Stillstand. „Ich hatte gelernt Verantwortung zu übernehmen.“

Inzwischen ist er Vater und vielleicht sogar Vorbild. Den Punk hat er jedoch nie ganz verloren. Und so werden auch heute noch Partys gefeiert, aber Campino, der Sänger der Toten Hosen ist erwachsen geworden und es scheint als war er nie künstlerisch wertvoller!

Text: Jeanie Scholze

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