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Ihre Gesundheit

Mit gestaffelten Lebensmittel-Steuersätzen gegen Diabetes?

Die Deutschen werden immer dicker. Es sind erschreckende Zahlen: Nach neuesten Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gelten mittlerweile 59 Prozent der Männer sowie 37% aller Frauen hierzulande als übergewichtig oder gar fettleibig (adipös), wenn man die Definition über den Körpermassenindex (international: Body-Mass-Index, BMI) als Maßstab verwendet. Danach beginnt Übergewicht bei einem BMI > 25 und Fettleibigkeit ab BMI > 30. In den allermeisten Fällen ist Übergewicht dem eigenen Verhalten geschuldet, also ernährungsbedingt.

Diät oder Schlemmen

Berechnet wird der BMI nach der Formel Körpergewicht (in kg) geteilt durch Größe (in m) zum Quadrat.

Beispiel: Körpergröße 1,80 m, Gewicht 85 kg.

1,8 x 1,8 = 3,24. 85 : 3,24 ergibt einen BMI von 26,2, also schon im übergewichtigen Bereich.

Übergewicht ist ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen; ganz vorn sind hier die ständig steigenden Fallzahlen von Insulinresistenz, also Typ II – Diabetes (früher als „Altersdiabetes“ bekannt) zu nennen. Hierbei wird zwar vom Körper das lebenswichtige Hormon Insulin produziert, jedoch nicht oder nicht ausreichend verstoffwechselt, so dass der Blutzuckerspiegel permanent krankhaft erhöht ist. Deutschlandweit zählt man gegenwärtig etwa fünf Millionen Fälle von Typ II – Diabetes sowie weitere vermutete 1,5 Mio. unerkannte Fälle.

Vor diesem Hintergrund lässt eine aktuelle Studie der Universität Hamburg aufhorchen: Unter Leitung des Ökonomen Dr. Tobias Effertz wurde untersucht, inwieweit ein Zusammenhang zwischen einer steuerbedingten Preisstaffelung für verschiedene Lebensmittelkategorien und dem Einkaufs- bzw. Ernährungsverhalten der Bevölkerung erkennbar ist. Ergebnis: Ein gestaffeltes System der Mehrwertsteuer für Lebensmittel könnte den Trend zum starken Übergewicht in Deutschland stoppen, ja sogar umkehren!

Bisher werden hierzulande die meisten Lebensmittel mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 % besteuert, auch potentiell ungesunde Erzeugnisse mit hohem Fett- und / oder Zuckeranteil. Die deutsche Gesundheitspolitik hat bisher vorrangig auf Aufklärung und Appelle an die Verantwortung jedes Einzelnen für seine Gesundheit gesetzt; dieser individuelle Ansatz gilt nach Meinung vieler Experten als gescheitert, was durch die vorgenannten Zahlen nachdrücklich untermauert wird.

Diverses Gemüse

Gemüse © PhotoSG – Fotolia.com

Die Studie empfiehlt nun die Einführung eines so genannten Ampelsystems mit gestaffelten MwSt.-Sätzen für Lebensmittel gemäß folgender Einteilung:

Grün, 0% für Obst und Gemüse;

Gelb, 7% für „normale“ Lebensmittel wie Molkereiprodukte ohne Zuckerzusatz, Reis,

Nudeln, Fleisch und Fisch sowie Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz;

Rot, 19% für Produkte mit viel zugesetztem Zucker und / oder hohem Salz- und Fettgehalt

(etwa Fertiggerichte „Convenience“, Süßigkeiten aller Art, Kartoffelchips und

weitere Knabbersnacks).

Manche Experten fordern darüber hinaus sogar einen erhöhten Steuersatz von 29% für stark zuckerhaltige Softdrinks („Limonade“ etc.), da der gewohnheitsmäßige Konsum derartiger Produkte noch mehr als Süßwaren für die Entstehung einer Fettleibigkeit verantwortlich gemacht wird.

Einige Länder, so z.B. der US-Bundesstaat Kalifornien, verzeichnen bereits positive Erfahrungen mit dem besagten Ampelsystem zur Kennzeichnung und gestaffelter Besteuerung für verschiedene Lebensmittelkategorien. Einerseits gingen die Verkaufszahlen für „ungesunde“ Produkte zurück, andererseits reagierten auch die Hersteller und änderten die Rezeptur vieler Artikel, um in eine günstigere Kategorie zu gelangen.

Für Deutschland darf, sollte eine solches Kennzeichnungs- und Preissystem tatsächlich von der Politik diskutiert werden, mit massivstem Widerstand der Lobbyverbände aus den betroffenen Lebensmittelindustriezweigen gerechnet werden; hierzu braucht man nur einmal offenen Auges durch einen Supermarkt zu gehen und sich etwa die gewaltige Omnipräsenz von Süßwaren aller Art bewusst zu machen. Hiergegen anzugehen kann schon fast mit dem Etikett Suchtprävention versehen werden.

 

Text: Alexander Strauch

 

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