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Ihre Gesundheit

Kopfschmerzen wegen Kieferfehlstellung?

Viele Patienten befinden sich wegen chronischer Schmerzen im Kopf-, Gesicht-, Hals-, Rückenbereich in Behandlung. Bei einem großen Teil dieser Patienten wurde häufig nur eine symptomatische Behandlung eingeleitet und der Ursache nicht auf den Grund gegangen. Eine der Ursachen dieser Schmerzen kann eine Fehlfunktion im Kauorgan mit Beteiligung des Kiefergelenks sein, die so genannte Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (CMD). IGTV hat den Kieferorthopäden Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski zu den Ursachen der CMD befragt:

Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski

Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski

Was sind die Symptome einer Craniomandibulären Dysfunktion?

Die Patienten klagen über Schmerzen in der Muskulatur im Kopf-, Kiefer-, Hals-, Schulter und Rückenbereich. Wenn außerdem ein Knacken im Kiefergelenk, Schmerzen im Gelenkbereich und erkennbare Störungen des Bewegungsablaufes vorliegen, dann erhärtet sich der Verdacht, dass eine Craniomandibuläre Dysfunktion vorliegt. Oft sind zusätzlich Fehlstellungen der Zähne, starker Substanzverlust von Schmelz und auch Abbau des Zahnhalteapparat mit zu beobachten.

Ist das bei jedem Patienten so schlimm ausgeprägt?

Das Spektrum des Krankheitsbildes ist sehr weit gefächert. Es gibt Patienten, die zwar einige typische Zeichen aufweisen, aber selbst keine Beeinträchtigungen spüren. Bei anderen Patienten sehen die Zahnbögen sehr gut ausgeformt aus, aber dennoch klagen sie über außergewöhnlich starke Schmerzen und zeigen auch Muskelverspannungen, die sich objektivieren lassen. Es ist zuweilen sehr schwierig, eine Dysharmonie zwischen der Stellung und Anordnung der Zahnbögen und der Kiefergelenke aufzuspüren.

Hat das Zähneknirschen damit zu tun?

Auch das Zähneknirschen, als Bruxismus bezeichnet, ist als Ursache oder auch als Symptom mit diesem Krankheitsbild vergesellschaftet. Diese Unschärfe, die Unklarheit, was Ursache und Symptom ist, zeigt schon, wie schwer das Krankheitsbild zu fassen ist und wie stark auch die psychische Verfassung des Patienten mit eine Rolle spielt. Es gibt Phasen von Entspanntheit, in denen es den Patienten gut geht, aber ungünstige Stresssituationen können Bruxismus auslösen. Das Sprichwort, man soll die Zähne zusammenbeissen, hat durch aus seine Gültigkeit.

Wie wurde die CMD bis dato behandelt?

RJR: Bevor man sich für eine therapeutische Herangehensweise entscheidet, müssen aus dem multifaktoriellen Geschehen möglichst die zentralen auslösenden Ursachen ermittelt werden. Hierzu zählen die Einwirkung von Stress und eine Lebensweise, die wenig Zeit für Entspannung zulässt. Fehlstellungen von Zähnen müssen ermittelt werden und korrigiert werden, wenn die Zahnstellung eine Fehlfunktion der Kiefergelenke auslöst. Dies wird oft diagnostisch durch das Tragen von Schienen ermittelt. Man kann durch beständige Modifikation der Schiene in Bezug auf Dicke und Führungsflächen für die Zahnhöcker eine Stellung des Unterkiefers ermitteln, in der die Kiefergelenke keine störenden Fehlfunktionen mehr zeigen. Dies wird oft auch durch Magnetresonanztomographien des Kiefergelenks überprüft. Die Muskulatur bedarf auch oft physiotherapeutischer Behandlung, wobei keine einzelne Maßnahme für sich allein stehen darf, sondern in Koordination mit allen beteiligten Therapeuten erfolgen sollte. Wichtig aber ist meines Erachtens die Selbstwahrnehmung des Patienten. Das Wahrnehmen des eigenen Körpers und die Anspannung in den betroffenen Regionen ist eine Voraussetzung für die Therapie. Die Behandlung führt über das Bewusstsein mit dem Ziel, eines Tages eine entspannte Kieferhaltung einnehmen zu können. Intraoral getragene Entlastungs- und Führungsschienen können dabei den Anfang der Behandlung bilden.

innovative Zahnschiene

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Wie sehen solche Schienen aus?

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Schienen, die alle in ähnlicher Weise die falsch gegeneinander stehenden Zahnbögen voneinander entkoppeln und eine Normalisierung der Kiefergelenksfunktion erlauben sollen. Wir sind inzwischen dazu übergegangen, Schienen und kieferorthopädische Behandlungsgeräte miteinander zu kombinieren. In den meisten Fällen muss ja die Zahnstellung korrigiert werden. Damit können wir bei einigen Patienten schneller eine Besserung der Beschwerden feststellen.

Wo können sich interessierte Patienten informieren?

Der Hauszahnarzt sollte in der Lage sein, eine Craniomandibuläre Dysfunktion zu erkennen. Im Einzelfall kann die Behandlung sehr komplex sein, dass Spezialisten hinzugezogen werden sollten. Diese sind unter anderen auch an der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitätsmedizin Charité in Berlin zu finden. Einschränkend muss aber noch erwähnt werden, dass es auch degenerative Erkrankungen des Kiefergelenks geben kann, die noch viel schwerer oder gar nicht behandelbar sind. Je später eine Craniomandibuläre Dysfunktion erkannt wird, desto mehr des empfindlichen Gewebes im Kiefergelenksbereich kann unwiederbringlich zerstört sein.

Interview: JK

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