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Zur Geschichte des Rollstuhls

Der Rollstuhl ist in der heutigen Zeit nicht mehr aus dem Leben gehbehinderter Menschen wegzudenken. Er ist mehr als nur ein Hilfsmittel, ermöglicht er doch Mobilität und aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Doch bis zum heutigen Erfolg dieses Sessels auf Rädern und seiner selbstverständlichen Verwendung weltweit war es ein langer Weg..

Mobilität war dem Menschen schon immer wichtig. Das wussten bereits die Chinesen. Ab etwa 1300 vor Christus benutzten gehbehinderte, kranke oder sehr alte Menschen eine Art Sessel mit Rollen, der es den Betroffenen möglich machte, relativ selbstständig innerhalb ihres Umfeldes zu agieren. Natürlich war er nicht mit den flotten Dingern von heute zu vergleichen; er war einfach, aber funktionell gestaltet, jedoch war diese Art der Konstruktion nur den Reichen vorbehalten.

Spaniens König Philipp im Rollstuhl

zeitgenössische Zeichnung von Spaniens König Philipp im Rollstuhl (um 1590)

Bereits im Mittelalter war es nötig, Menschen mit schweren Kriegsverletzungen mit einer Art Schubkarre aus Kriegsgebieten zu bringen. Behinderte Menschen genossen nur wenig Ansehen und hatten daher keinerlei Möglichkeit, selbstständig zu leben. Nur die reichen und wohlhabenden Gesellschaftsschichten versuchten, Hilfsmittel für ihre angesehenen gehbehinderten Mitbürger zu bauen. Obwohl das technische Wissen noch sehr eingeschränkt war, war die Kreativität umso höher. 1420 wurde ein Rollstuhl mit Seilwinden hergestellt, nicht einfach zu manövrieren und viel zu schwer, aber dennoch funktionell.

Etwa ab 1590 benutzte König Philipp von Spanien ein rollstuhlähnliches Gefährt, da er an schwerer Gicht litt. Mit diesem Rollstuhl war es ihm möglich, relativ autark in seinem Schloss herum zu fahren, um seine Regierungsgeschäfte wahr zu nehmen. Zudem war sein Rollstuhl schon ein Luxusgefährt, denn er besaß eine höhenverstellbare Fußstütze, und die kleinen Vorderräder waren voneinander unabhängig navigierbar. Das Hauptmaterial war Holz, was den Rollstuhl äußerst unbequem machte, da es keinerlei Stoßdämpfer gab und vermutlich auch so mancher Holzwurm ein sicheres Heim fand. Alles, was die Vorgänger von rollstuhlähnlichen Modellen gemeinsam hatten, war, dass sie nur mit fremder Hilfe zu bewegen waren. Die Personen saßen zwar in einem mobilen Gefährt, konnten dieses aber nicht selbst bewegen.

Nürnberger Uhrmacher Stephan Farfler im hadbetriebenen Rollstuhl

Nürnberger Uhrmacher Stephan Farfler im hadbetriebenen Rollstuhl

1655 erfand der Nürnberger Uhrmacher Stephan Farfler mit zarten 22 Jahren den ersten selbst anzutreibenden Rollstuhl. Da er an Kinderlähmung litt und nicht immer von seiner Mutter in die Kirche getragen werden wollte, überlegte sich der tiefgläubige Uhrmacher, wie er selbständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und seine Mutter entlasten könnte. Die Mechanik war sehr ausgeklügelt, und man könnte ihn mit den heutigen Handbikes vergleichen. Ob nun die Konstruktion des pfiffigen Uhrmachers Vorbild für unsere heutigen Rollstühle ist, können wir nicht sagen, dennoch lässt sich erkennen, dass sich der Rollstuhl im Lauf der Jahrhunderte  immer mehr an den Menschen angepasst hat; mag es daran liegen, dass die Belange von behinderten Menschen immer mehr Gehör fanden und sich somit auch die Hilfsmittel mit der Zeit an die Betroffenen angepasst haben. Auch ist die reine Funktionalität eines Rollstuhls heute nicht mehr so bedeutend wie zum Beispiel seine Bequemlichkeit.

Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt litt an Poliomyelitis und regierte das Land von 1933 bis 1945 vom Rollstuhl aus. Er war stets bemüht, den Frieden aufrechtzuerhalten und ist für viele ein leuchtendes Beispiel. Der Rollstuhl schien ihn nicht zu behindern – ganz im Gegenteil: Roosevelt verschaffte er Mobilität und Freiheit. Auf dem Bild kann man ihn mit einem kleinen Mädchen namens Ruthie Bie und seinem Hund Fala sehen.

US-Präsident Roosevelt im Rollstuhl

auch US-Präsident Franklin D. Roosevelt war Rollstuhlfahrer

In den letzten 50 Jahren gab es eine rasante Entwicklung des Rollstuhls, und längst dient er nicht mehr nur dem originären Zweck der Mobilität sondern ist auch zu einem Prestigeobjekt geworden. Behinderte Menschen wurden immer mehr ein sichtbarer, integraler Teil der Gesellschaft und verlangten somit auch ihre Unabhängigkeit, die der Rollstuhl nun mal vor allem für gehbehinderte Menschen bedeutete.

Eine große Anzahl an Rollstuhldesigns, –farben und –marken, die an die individuellen Bedürfnisse und Behinderungsarten ihrer Besitzer angepasst werden können, bestimmt den heutigen Markt. Auch die Art, wie die Rollstühle gesteuert werden, ist nicht mehr abhängig von einer fremden Person, die den Rollstuhl schiebt, sondern die zusätzlichen technischen Hilfsmittel wie z.B. Elemente, die mit Kinn, Mund oder per Joystick bedient werden, sorgen für die notwendige Unabhängigkeit. Es gibt auch “mitwachsende” Rollstühle für Kinder, so dass unsere Kleinsten am flottesten unterwegs sind.

Für manuelle Rollstühle gibt es kleine Antriebsmotoren, die an den Hinterrädern eingehängt werden, um das Rollen zu erleichtern. Für Menschen mit motorischer Behinderung gibt es die rasanten Elektrorollstühle, die alle Hindernisse überwinden und dazu noch besonders schick sind. Die Sicherheit steht natürlich immer im Vordergrund; das Angebot an Gurten und Sicherheitszubehör ist vielfältig und bunt. Auch im Bereich des Behindertensports spielt der Rollstuhl für sportbegeisterte gehbehinderte Menschen eine wichtige Rolle. Egal, ob es sich um Tennis, Basketball oder Rugby handelt, für all diese Sportarten und vieles mehr gibt es den passenden Rollstuhl.

Text: Alexandra Steiner, Oktober 2006    www.geckoweb.at

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