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Ihre Gesundheit

Emil v. Behring

Haben Sie noch ihr altes, gelbes Impfbuch? Schauen Sie mal rein, auf den Stempeln zur Grundimmunisierung (Diphtherie, Tetanus) steht oftmals „Impfstoff: Behring“ oder „Behringwerke“. Tatsächlich stehen diese Bezeichnungen im Zusammenhang mit dem Mann, der heute als Mitbegründer der Blutserumtherapie oder Serologie gilt.

Emil Adolf v. Behring

Emil Adolf v. Behring

Emil Adolf Behring kommt am 15. März 1854 in Hansdorf bei Danzig (Westpreußen, heute Polen) als fünftes von zwölf Kindern zur Welt, der Vater ist Dorfschullehrer. Der begabte Sohn verpflichtet sich nach dem Abitur 1874 zu neun Jahren Militärdienst, somit kann er das Studium an der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen (früher: Pepiniére) in Berlin auf Staatskosten absolvieren. Im Erweiterungsbau der Akademie (1910) ist heute übrigens das Bundesministerium für Wirtschaft untergebracht.

Der junge Behring promoviert 1878 und erhält zwei Jahre später die Zulassung als Arzt. Er arbeitet an wechselnden Standorten als Militärarzt, bis er 1887 zu Forschungszwecken an das pharmakologische Institut der Universität Bonn abkommandiert wird. Hier beschäftigt man sich mit der Entwicklung chemischer Substanzen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Der geniale, neue Gedanke von Behring ist nun, den Forschungsfokus nicht auf körperfremde Chemie, sondern auf vom lebenden Organismus selbst gebildete Substanzen (Antitoxine) zu legen. Seine Grundüberzeugung ist also, dass der Organismus Gegengifte zu eingedrungenen Erregern bilden kann.

1889 wechselt Behring an das von Robert Koch (1843 – 1910) geleitete Preußische Institut für Infektionskrankheiten, das heutige Robert-Koch-Institut (RKI) nach Berlin. Hier forscht er zusammen mit dem Japaner Shibasaburo Kitasato weiter nach besagten Antitoxinen und kann 1890 tatsächlich Gegengifte für die Erreger im Blut erkrankter Tiere nachweisen und isolieren. Behring vermutet, dass die Antitoxine nicht artspezifisch sondern auf andere Lebewesen übertragbar sind. Tatsächlich gelingt es 1891 erstmals, mit einem aus dem Blut erkrankter Schafe gewonnenen Serum zwei an Diphtherie erkrankte Kinder zu heilen – der Beginn der Serumtherapie oder passiven Immunisierung, die zwar Erkrankungen nicht vorbeugt, sie aber behandelbar macht. Die Dimension dieser neuartigen Therapiemöglichkeit wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass zu dieser Zeit allein in Preußen jährlich etwa 100.000 Kinder an Diphtherie erkranken und über die Hälfte sterben. Die Krankheit befällt zumeist die oberen Atemwege mit massiven Schwellungen im Halsbereich („Würgeengel der Kinder“), häufig kommen Entzündungen des Herzmuskels hinzu.

Die Verfeinerung und klinische Anwendbarkeit von Behrings Entdeckungen ist maßgeblich seinem Forscherkollegen Paul Ehrlich (1854 – 1915) zuzuschreiben. Über ihn wird an dieser Stelle noch separat zu berichten sein.

Emil v. Behring

Emil v. Behring

Nach einer Zwischenstation als Titularprofessor in Halle / Saale wird Behring durch Vermittlung des preußischen Kulturpolitikers Friedrich Althoff 1895 ordentlicher Professor für Hygiene an der Universität Marburg, ohne eine Habilitationsschrift vorgelegt zu haben. Althoff ist es auch, der schon 1892 den Kontakt zu dem Chemieunternehmen „Farbwerke Hoechst AG“ herstellt, um die industrielle Herstellung der Heilseren gegen Diphtherie und Tetanus (Wundstarrkrampf) anzuschieben. Die Hoechst AG richtet Emil Behring ein Privatlaboratorium ein, 1894 wird mit der industriellen Herstellung begonnen. Im Jahr 1901 wird Behring geadelt und bekommt für seine bahnbrechenden Entdeckungen den ersten Nobelpreis für Medizin. Das Preisgeld bildet den Grundstock für die geplante Selbstständigkeit, 1904 macht sich Emil von Behring von den Farbwerken Hoechst unabhängig und gründet die Fa. „Behringwerke“. Im Jahr 1913 gelingt ihm auch die Entwicklung eines Serums für die aktive Immunisierung, also die vorbeugende Schutzimpfung gegen Diphtherie. Emil von Behring stirbt am 31. März 1917 in Marburg an einer Lungenentzündung – chemische Antibiotika sind zu dieser Zeit noch nicht erfunden. Die von ihm gegründeten Behringwerke werden 1952 von den Farbwerken Hoechst AG übernommen, die mittlerweile selbst in anderen Pharmakonzernen aufgegangen sind (Sanofi-Aventis).

 

Text: Alexander Strauch   Fotos: Institut f. Historische Medizin der Charité

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