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Ihre Gesundheit

Walter Stoeckel (1871 – 1961)

Hier beleuchten wir das Leben und Wirken jenes Mannes, der dem medizinischen Fachgebiet der Frauenheilkunde (Gynäkologie) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidende Impulse gegeben hat.

Prof. Dr. Dr. Stoeckel

Prof. Dr. Dr. Stoeckel

Walter Stoeckel stammt aus Ostpreußen, er kommt am 14.03.1871 auf Gut Stobingen bei Insterburg zur Welt. Nach dem Abitur in Insterburg interessiert er sich zunächst für Pferdezucht, Pferdesport und ein Studium der Veterinärmedizin, entscheidet sich dann aber doch für die Humanmedizin. Sein Studienweg führt ihn über Leipzig, München und Jena nach Königsberg, wo er 1895 promoviert. Es folgen einjährige Stationen als freiwilliger Arzt beim Militär sowie als Schiffsarzt. Eine erste Stelle als Assistenzarzt bietet ihm 1897 die Bonner Frauenklinik. In den Folgejahren bis 1907 erweitert Stoeckel sein Wissen durch Tätigkeiten an verschiedenen Universitätskliniken unter den führenden Gynäkologen dieser Zeit: Er arbeitet in Breslau bei Prof. Heinrich Fritsch (dessen Tochter er 1900 heiratet), in Erlangen bei Johann Veit und, nachdem er sich 1903 habilitiert hat, ab 1904 in Berlin. Hier übernimmt er die Oberarztstelle an der Frauenklinik der Charité unter Prof. Ernst Bumm.

Stoeckels breit gefächertes Wissen, eine hervorragende technisch-operative Geschicklichkeit und sein kommunikatives Talent machen ihn zu einem begehrten Anwärter auf eine Professur. Um 1907 erhält er Lehrangebote der Universitäten in Greifswald, Marburg und Erlangen. Er entscheidet sich für Marburg, wechselt drei Jahre später nach Kiel und 1921 nach Leipzig, um schließlich 1926 Professor in Berlin zu werden. Hier übernimmt er an der Universitäts-Frauenklinik in der Artilleriestraße (heute Tucholskystr.) den bedeutendsten Lehrstuhl für Gynäkologie im Deutschen Reich, was er mit den Worten kommentiert: „Ich war Kaiser geworden.“ Unter seiner Regie wird die Klinik in den nächsten Jahren um- und ausgebaut.

Neben vielen wissenschaftlichen Impulsen in der Frauenheilkunde (weit über 200 gedruckte Publikationen) ist Stoeckels größter medizinischer Verdienst die Weiterentwicklung der Gebärmutteroperation (vaginale Totalexstirpation) nach Friedrich Schauta (1848-1919), ein Eingriff, der seither als Schauta/Stoeckel-Operation bezeichnet wird. Er ist außerdem viele Jahre verantwortlicher Herausgeber der Fachzeitschriften „Zentralblatt für Gynäkologie“ und „Zeitschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie“ sowie mehrfach der gewählte Vorsitzende des Fachgremiums „Gesellschaft für Geburtshülfe und Gynäkologie zu Berlin“ (gegr. 1844).

der Gynäkologe Walter Stoeckel

der Gynäkologe Walter Stoeckel

In den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zeigt Stoeckel das uneindeutige, pragmatisch angepasste Verhalten wie so viele seiner Medizinkollegen: Zwar ist er kein vehementer Verfechter der Nazi-Ideologie, wehrt sich jedoch nicht gegen die Gleichschaltung der Wissenschaften bzw. tritt der Verdrängung jüdischer Fachkollegen aus Ämtern und Stellungen nicht entgegen. Auch die Ehefrau des Reichspropagandaministers, Magda Goebbels, lässt sich von ihm behandeln. 1941 bekommt er von Hitler die „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ verliehen.

Während des 2. Weltkrieges behandelt und operiert Stoeckel, der inzwischen auch seinen Wohnsitz auf das Krankenhausgelände verlegt hat, unermüdlich weiter, zuletzt im Bunker der Klinik. Nach Kriegsende liegt die Berliner Stadtmitte im sowjetisch besetzten Sektor, doch auch die neuen Machthaber sind froh, einen solch renommierten Mediziner in ihren Reihen zu haben und belassen Stoeckel noch bis 1950 im Amt. Erst zu seinem 80. Geburtstag scheidet er aus dem Klinikbetrieb aus, bleibt aber auf dem Gelände wohnhaft. Die DDR-Regierung verleiht im den Titel „Hervorragender Wissenschaftler des Volkes“.

Walter Stoeckel stirbt mit fast 90 Jahren am 12. Februar 1961. Sein Grab findet sich auf dem Berliner Invalidenfriedhof an der Scharnhorststraße.

Text: Alexander Strauch   Fotos: Institut für Historische Medizin der Charité

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