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Ihre Gesundheit

Ernst von Bergmann

Dieser Mediziner wird heute gern als „Vater der Asepsis“, also als Begründer der klinischen Maßnahmen, die das Eindringen von Viren, Bakterien und Pilzen in den Organismus bei und nach chirurgischen Eingriffen verhindern sollen, bezeichnet. Dies ist, wie so oft, richtig, aber unvollständig.

Also:

Ernst v. Bergmann

Ernst v. Bergmann

Von Bergmann wird am 16. Dezember 1836 im lettischen Riga geboren. Nach der Schulzeit studiert er zwischen 1854 und 1860 in Dorpat (Estland) Medizin. Nach der Promotion wird er ebendort Assistent an der chirurgischen Klinik, wo er sich 1866 auch habilitiert. Während der Kriege 1866 und 1870/71 ist er in der Armee als Leiter von Feldlazaretten tätig – eine Tätigkeit, die für seinen weiteren Berufsweg entscheidend prägend ist. Bei Kriegsende 1871 kehrt von Bergmann nach Dorpat zurück, wo er Professor der Chirurgie und Nachfolger seines Lehrers und Schwiegervaters Georg Adelmann wird.

1878 folgt von Bergmann einem Ruf als Professor und Oberwundarzt des Julius-Spitals nach Würzburg, 1882 wird er Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Universitätsklinik in Berlin, Ziegelstraße, als Nachfolger Bernhard von Langenbecks.

Besondere Verdienste erwarb sich von Bergmann durch die Weiterentwicklung chirurgischer Operationstechniken (Knie, Kopfverletzungen, Hirnchirurgie) und der Wundbehandlung. Unter dem Einsatz von ihm entwickelter dampfsterilisierter Verbandsmaterialien bei der Wundversorgung geht die Zahl der gefährlichen Wundinfektionen deutlich zurück. (Hierzu muss man wissen, dass die antiseptische bzw. aseptische Wundbehandlung zu dieser Zeit gerade ihre Entstehungsphase hinter sich gelassen hatte: Noch bis in die 1870er Jahre hinein war es übliche klinische Praxis, bei großen Wunden, selbst bei offenen Knochenbrüchen, die betroffenen Körperteile großzügig zu amputieren, um die Gefahr von Wundinfektionen während der Heilungsphase zu verringern. Ein erstes Desinfektionsverfahren brachte um 1876 der Arzt Adolf Bardeleben (1819 – 1895) nach Deutschland, er entwickelte eine vom Engländer Joseph Lister erdachte Methode zur Keimfreihaltung der Wunde mittels Karbolsäure weiter.)

Ernst v. Bergmann im OP Saal

Von Bergmann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Chirurgen. Über mehrere Jahre leitet er als Präsident die „Deutsche Gesellschaft für Chirurgie“. Im Jahr 1904 ist er einer der Initiatoren regelmäßiger ärztlicher Fortbildungskurse sowie Mitbegründer der „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung“, heute weitergeführt unter dem Namen „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung“ (ZaeFQ).

Ernst v. Bergmann in seinem Arbeitszimmer

Ernst v. Bergmann in seinem Arbeitszimmer

Ernst von Bergmann stirbt am 25. März 1907. Seine Grabstätte ist auf dem Alten Friedhof in Potsdam, Heinrich-Mann-Allee, zu finden. Für Verdienste um die ärztliche Fortbildung wird seit 1962 die Ernst-von-Bergmann-Plakette vom Präsidenten der Bundesärztekammer und vom Deutschen Ärztetag auf Beschluss des Vorstands der Bundesärztekammer verliehen.

Text: Alexander Strauch   Fotos: Institut für Historische Medizin der Charité

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