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Jugger

Das Mittelalter kehrt sportlich zurück

Jugger Sport mit Pompfen  @Susanne Serwe - jugger.de

Jugger Sport mit Pompfen @Susanne Serwe - jugger.de

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Nur ein böiger Wind weht hörbar umher. Man kann die letzten Atemzüge vor der Schlacht vernehmen. Sie stehen sich gegenüber und mustern die gegnerischen Linien. Zwei befeindete Völker haben sich zum großen Kampf versammelt und jeder einzelne Krieger wartet höchst angespannt auf den Beginn. Der Wind lässt nach, nur der Puls der Kämpfer pocht durch die Stille…

…dann ein lauter kräftiger Schrei und beide Seiten stürmen brüllend aufeinander zu.

Klingen schlagen gegeneinander, Morgensterne krachen auf Schilder und Lanzen durchbrechen die  verketteten Reihen des Gegners. Das Schlachtfeld bebt, es riecht nach Schweiß, Blut und Metall. Gebrüll und Geschrei an allen Ecken. Kein Mitleid, nur der Gedanke an den Sieg. Der Gegner muss geschlagen werden. Tot oder lebendig!

Angriff und Verteidigung  @Susanne Serwe - jugger.de

Angriff und Verteidigung @Susanne Serwe - jugger.de

Wie gut das all dies mehrere Jahrhunderte her ist.

Doch was vor langer Zeit einmal total angesagt war, kommt früher oder später wieder in Mode.

Ja, auch die epochalen Schlachten des Mittelalters. Naja, die Politik wird damit heute nicht mehr entschieden und es werden auch keinerlei schwerwiegende Verletzungen beigefügt, aber der Grundsatz der Schlacht wurde nun als Trendsport wieder aufgegriffen. Die Rede ist von „Jugger“.
Die Idee dazu wurde im gleichnamigen Spielfilm von 1989 vorgegeben.

13. Juggermeisterschaft 2010  @Susanne Serwe - jugger.de

13. Juggermeisterschaft 2010 @Susanne Serwe - jugger.de

Die ersten öffentlichen „Kämpfe“ wurden allerdings erst 1992 in Berlin und Hamburg ausgetragen. Fortan entwickelte sich das „Juggern“ immer weiter, sodass es heute ein komplett ausgearbeitetes Regelwerk mit jährlich stattfindenden Turnieren gibt.

Beim „Juggern“ gibt es zwei Teams mit jeweils 5 Spielern. Aufgeteilt in einen Läufer, einen Kettenmann und drei Kämpfer. Das Ziel jedes Teams besteht darin, den „Jugg“ (künstlicher Hundeschädel aus Kunststoff oder alternativ ein Rugby-Ei) in das „Mal“ des Gegners zu stecken. Das „Mal“ befindet sich auf der gegnerischen Spielfeldseite und muss selbstverständlich von der eigenen Mannschaft geschützt werden. Pro Treffer gibt es einen Punkt. Der einzige Spieler, der den „Jugg“ mit der Hand aufnehmen darf, ist der Läufer. Er trägt dafür allerdings auch keine „Pompfe“ (Waffe), welche zum Angriff und zur Verteidigung beider Teams genutzt wird. Der „Jugg“ liegt zu Beginn auf der Spielfeldmitte und geht nach dem Startsignal „3, 2, 1, Jugger!“ in den Besitz des schnelleren Teams über, welche auf den „Jugg“ zustürmen.

„Pompfen“ können unterschiedliche Formen besitzen. Es gibt einen bis zu zwei Meter langer Stab, eine Langpompfe mit 1,4m, eine Kurzpompfe mit 85cm, sowie ein Schild. Der Kettenmann hingegen trägt an einer langen Plastikkette eine große Schaumstoffkugel, die über dem Kopf geschwungen wird.

Da alle Pompfen mit Schaumstoff und Klebeband ummantelt sind, werden Verletzungen durch scharfkantige oder harte Gegenstände vermieden. Ein entscheidender Unterschied zu mittelalterlichen Schlachten. Um einen gegnerischen Spieler vorrübergehend außer Gefecht zu bringen, muss man versuchen ihn mit der Pompfe am Körper zu treffen. Hand- und Kopftreffer zählen allerdings nicht. Hat man ihn dann getroffen, muss sich der getroffene Spieler auf den Boden knien und 5 Steine warten. Ein Stein ist die dortige Zeitmessung und hat die Dauer von etwa 1,5 Sekunden.

Läufer im Zweikampf  @Susanne Serwe - jugger.de

Läufer im Zweikampf @Susanne Serwe - jugger.de

Der Läufer, welcher ohne Pompfer unterwegs ist, darf nur den gegnerischen Läufer angreifen. Dabei hat er die Möglichkeit zu ringen, zu schubsen oder zu stoßen.

Auf diese Weise läuft ein Spiel ab. Es werden zwei Halbzeiten gespielt, die jeweils 100 Steine lang sind.

Apropos lang, das Spielfeld misst 20x40m und kann sowohl drinnen, als auch draußen gespielt werden, wobei es natürlich nahe liegt, draußen in der Natur zu fighten.

Das erste Turnier fand 1995 in Hamburg statt und entwickelte sich bis 2003 zu einer kompletten „Jugger-League“. Mittlerweile werden jährlich mehrere Turniere ausgetragen an dem über 30 Teams aus unterschiedlichen Ländern teilnehmen. Eins der nächsten Turniere findet am 28. und 29.04.12 im Berliner Jahn-Sportpark statt. Ein lohnenswerter Besuch mit viel Spannung und Aktion. Ein spektakuläres Erlebnis für Jung und Alt.

Wer selbst ein echter „Jugger“ werden will oder mehr Details wissen möchte, kann unter www.jugger.de sämtliche Informationen abrufen.

Dieser moderne mit mittelalterlichen Wurzeln behaftete Trendsport ist definitiv sehenswert und bringt eine Menge Spaß. 3…2…1…JUGGER!!!

Autor: Oliver Gaertner

Ein Kommentar zu “Jugger”

  • Micha sagt:

    Ich denke, die Zahl der aktiven Teams ist schon höher als 30. 😉

    Aber sonst ein guter Artikel.

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