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Ihre Gesundheit

Wirbelsäule


Die Wirbelsäule, auch Rückgrat genannt, ist das zentrale Stütz- und Gestaltelement des menschlichen Skeletts. Sie trägt die Schädel- und Rippenknochen; darüber hinaus bildet sie an ihrem unteren Ende den Übergang zum Becken, welches die unteren Gliedmaßen hält. Außerdem schützt sie die in ihrem Inneren verlaufenden Nervenstränge des Rückenmarks.

Die Wirbelsäule mit ihren insgesamt 33 Knochen, den Wirbeln, lässt sich anatomisch in fünf Sektionen aufteilen: Sieben Halswirbel, zwölf Brustwirbel, fünf Lendenwirbel sowie fünf Kreuz- und vier Steißbeinwirbel. Die Wirbel der drei erstgenannten Sektionen sind einzeln aufgehängt, während die Wirbel von Kreuz- und Steißbein miteinander verwachsen und unbeweglich sind.

Jeder Wirbel zeigt einen grundsätzlich gleichen Aufbau mit einem Wirbelkörper auf seiner Vorderseite sowie einem Wirbelbogen, der das Rückenmark mit den Nervenbahnen schützend umschließt. Aus dem Wirbelbogen zweigen die seitlichen und hinteren Wirbelfortsätze ab, an denen Bänder und Muskel sitzen. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern sitzen zur Stabilisierung und Stoßdämpfung Knorpelplatten – die Bandscheiben, nebst Bändern aus Fasergewebe.

Bandscheibenvorfall

Unter diesem Begriff versteht man eine Erkrankung an der Wirbelsäule, bei welcher Bestandteile der Bandscheibe, jenes knorpelartigen Pufferelementes zwischen zwei Wirbelkörpern, aus dem eigentlichen Zwischenraum austreten und auf den benachbarten Nervenstrang (die vom Rückenmark abgehenden Spinalnerven) drücken – seltener auch auf des Rückenmark selbst. Dies ist zumeist mit heftigen Schmerzen verbunden.

Die Bandscheiben (23 davon hat der Mensch) sind elastische Verbindungselemente zwischen zwei Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Bei Belastungen fungieren sie als federnde Puffer, die Stöße und Erschütterungen abfangen. Im Laufe eines langen Tages mit vielen typischen Belastungen werden die Bandscheiben immer mehr zusammengedrückt, um sich bei längerem entspannten Liegen (also zumeist währen des Nachtschlafs) durch Aufsaugen von Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe wieder zu regenerieren. Sie bestehen aus Knorpelgewebe, genauer: Einem äußeren Faserknorpelring (Anulus fibrosus) und einem weichen, gallertartigen, innen liegenden Bandscheibenkern (Nucleus pulposus). Der Faserknorpelring ist mit einem vorderen und hinteren Längsband verbunden, das entlang der Wirbelsäule verläuft.

Mit zunehmendem Alter können nun, bedingt durch erbliche Veranlagung oder Degeneration (Abnutzung), Risse in besagtem Faserknorpelring entstehen. Überlastung der Wirbelsäule durch langjähriges Heben schwerer Lasten, oft verbunden mit suboptimalen Bewegungsabläufen, verursacht eine Vorschädigung der Bandscheiben; hierbei wird die halbdurchlässige Membran, die für die Nährstoffversorgung des Knorpels und somit für die Aufrechterhaltung seiner Elastizität verantwortlich ist, beschädigt, mit der Folge, dass der Knorpel regelrecht vertrocknet – dieser Prozess kann sich über Jahre hin ziehen. Eine schwache, untrainierte Rückenmuskulatur kann die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls zusätzlich begünstigen. Wenn nun der weiche Kern der Bandscheibe in die Risse dringt, verlagert er sich; er wölbt sich über die Ränder des Wirbelkörpers hinaus und nähert sich dabei den benachbarten Rückenmarksnerven. Bleibt der Faserring dabei intakt, liegt eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) vor; sie kann als Vorstufe des Bandscheibenvorfalls bezeichnet werden. Durchdringt der Gallertkern den Faserknorpelring komplett, spricht man von einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Sowohl die Vorwölbung als auch der Vorfall verursachen Schmerzen.

Typischerweise betreffen Bandscheibenvorfälle den Bereich der Lendenwirbelsäule und hierbei zumeist den Raum zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (etwa 90% der Fälle), seltener ist die Halswirbelsäule und ganz selten sind Brustwirbel betroffen. Neben heftigen Schmerzen kann ein Bandscheibenvorfall auch zu Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln, manchmal auch zu Lähmungssymptomen führen, die sich vom Lendenwirbelbereich bis hinunter in den Fuß erstrecken können. Bandscheibenvorwölbungen und -vorfälle in der Halswirbelsäule hingegen verursachen Schmerzen und Sensibilitätsstörungen in der Schulter, im Arm und in den Fingern. Bei jungen Menschen können prinzipiell die gleichen Beschwerden auftreten, allerdings sind es hier zumeist akute Verletzungen und Überbelastungen, die den Vorfall und somit die Schmerzen verursachen.

Bei entsprechender Symptomatik sollte immer schnellstmöglich die Vorstellung beim Facharzt (Neurologe, Orthopäde) oder in der Notfallambulanz des nächsten Krankenhauses erfolgen, da nur mit Anwendung der verschiedenen bildgebenden Diagnoseverfahren (Röntgen und zusätzlich CT bzw. MRT) die genaue Lage der Schädigung und deren Ausmaß beurteilt werden kann.

Eine erfreuliche Zahl aus der medizinischen Praxis: Etwa neun von zehn akuten Bandscheibenvorfällen sind heute konservativ behandelbar, also ohne chirurgischen Eingriff. Hierzu ist aber immer die aktive Mithilfe des Betroffenen erforderlich. Der behandelnde Arzt wird einerseits schmerzstillende und muskelentspannende Medikamente verordnen, andererseits konkrete Hinweise zur Ruhigstellung der Wirbelsäule mit konsequentem Vermeiden von ungesunden Belastungssituationen geben. Diese Schonphase, unterstützt durch Physiotherapie zur Kräftigung der Rückenmuskulatur, sollte vier bis sechs Wochen umfassen. Zeigt sich nach dieser Zeit keine deutliche Besserung der Beschwerden, kann eine Operation erforderlich sein – genauso wie in den selteneren Fällen, wo die Bilddiagnostik eine hohe Gefahr von dauerhaften Nervenschädigungen ergeben hat, so dass das auf den Nervenstrang drückende Knorpelgewebe schnellstmöglich operativ entfernt werden muss. Hierbei kommen heute vermehrt minimalinvasive Operationstechniken zur Anwendung, auch Lasertechnik oder chemisches Auflösen des Knorpelgewebes. Hier muss immer genau auf den Einzelfall abgestellt werden, da nicht jede Operationstechnik für jede Art und Lokalisation des Bandscheibenvorfalls gleichermaßen geeignet ist. Nach der Operation kann es im ungünstigen Fall zu einem erneuten Austreten von Knorpelgewebe (erneuter Bandscheibenvorfall) oder auch zu wucherndem Narbengewebe kommen, welches wiederum auf die benachbarten Nervenstränge drücken kann, so dass ein weiterer Eingriff erforderlich wird. Gerade auch nach einer Operation sollten Maßnahmen zur Rehabilitation wie Rückenschulung, Gymnastik und Muskeltraining immer Bestandteil des Behandlungsplanes sein.

Hexenschuss (Lumbago)

Achtung, Begriffswirrwar: Das, was umgangssprachlich gern als „Hexenschuss“ bezeichnet wird, nämlich jener plötzliche, sehr heftige, stechende Rückenschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule, der über das Becken bis weit in die Beine ausstrahlen kann, ist keine eigenständig definierte Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom bzw. eine Reihe typischer Symptome. Der Mediziner bezeichnet das Phänomen als (akute) Lumbago, Lumbalgie oder Ischias-Syndrom. Ausgelöst wird ein Hexenschuss meistens durch alltägliche, „falsche“, ruckartige Bewegungen wie Heben, Drehen, Bücken und Aufrichten, auch bei sportlichen Aktivitäten. Der Rückenschmerz im Lendenwirbelbereich ist bei Lumbago so heftig, dass viele Betroffene irrtümlicherweise einen Bandscheibenvorfall vermuten. Als Betroffener kann man sich oft nicht oder kaum noch bewegen und aufrichten; man nimmt eine gekrümmte Schonhaltung ein. Bereits die kleinste Rückenbewegung verursacht übelste Schmerzen – mit der häufigen Folge, dass sich zusätzlich die Rückenmuskulatur verkrampft.

Wie aber kommt es zu dieser plötzlichen Schmerzattacke? In den meisten Fällen sind hierfür, wie der Mediziner sagt, degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule die Verursacher. Degenerativ meint in diesem Zusammenhang „Abnutzung“ der ursprünglichen, gesunden Wirbelsäulenstruktur, so dass es leichter zum Verhaken bzw. Blockieren der kleinen Gelenke der Wirbelsäule kommen kann. Da sich im Bereich dieser Gelenke zahlreiche Bündel von Nerven- und Muskelfasern fasern befinden, sind Zerrungen und Blockierungen / Einengungen dieser Stränge Ursachen der starken Rückenschmerzen beim „Hexenschuss“. Der volkstümliche Begriff geht übrigens auf die altertümliche Vorstellung zurück, dass Krankheiten dem Menschen von übernatürlichen Wesen (etwa Hexen oder Elfen) mittels eines Pfeilschusses zugefügt werden.

Auch wenn man sich im Akutfall freiwillig keinen Zentimeter mehr bewegen mag: Die genauen, individuellen Ursachen für den Hexenschuss müssen beim Arzt abgeklärt werden. Neben der Akutversorgung mit einer Injektion in die Rückenmuskulatur (schmerzlindernde, krampflösende und / oder entzündungshemmende Substanzen) wird der behandelnde Arzt zunächst erfragen, in welcher Situation (Bewegung) die Schmerzen aufgetreten sind und ob Ähnliches (etwa ein Bandscheibenvorfall) früher schon einmal vorkam. Des Weiteren wird gefragt, wo genau die Schmerzen lokalisiert sind, ob sie ins Gesäß und / oder ins Bein ausstrahlen und ob Blasen- oder Darmstörungen (Inkontinenz) aufgetreten sind. Der Arzt prüft auch das Gefühlsempfinden (Sensibilität), die Bewegungsfähigkeit (Motorik), die Reflexe und diverse Druckpunkte im Bereich der Wirbelsäule. Es geht darum, die (harmlosere) Nervenreizung von einem möglichen Bandscheibenvorfall und weiteren denkbaren Ursachen für die Schmerzen abzugrenzen. Gegebenfalls stehen für die genaue Abklärung sämtliche üblichen Diagnostikmethoden wie Röntgen, Ultraschall, Kernspin- und Computertomografie sowie die Laboruntersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquorpunktion) zur Verfügung.

Die für den jeweiligen Fall bestgeeignete Therapie richtet sich direkt nach der genauen Ursache für die Schmerzen: Im Fall einer Wirbelblockade kann das so genannte Einrenken (Deblockierung) notwendig sein, um die normale Beweglichkeit der Wirbel wieder herzustellen. Derartige Handgriffe darf aber nur ein geübter Fachmann (z.B. ein Orthopäde) vornehmen. Wurde „nur“ ein Nervenstrang durch eine ungünstige Bewegung eingedrückt, reichen zur Therapie der Schmerzen häufig Bettruhe, Schonung und Wärme, unterstützt durch schmerzlindernde Medikamente, aus. Darüber hinaus sollte daran gedacht werden, mit gezieltem Training die Rückenmuskulatur insgesamt zu stärken; auch Akupunktur, Massagen und chiropraktische Behandlungen kommen in Frage. Ergibt die Diagnose, dass ein Bandscheibenvorfall besteht, sieht das Behandlungsspektrum anders aus, ggfs. wird eine Operation erforderlich. Zum Bandscheibenvorfall finden Sie hier auf dieser Plattform einen eigenen Artikel.

Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit)

Unter diesem Begriff versteht man eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die zumeist in der Pubertät bis zum jungen Erwachsenenalter (so genannte Adoleszenzphase) auftritt; in diesem Lebensabschnitt ist die noch wachsende Wirbelsäule besonders anfällig für Fehlbildungen. Beim Krankheitsbild Morbus Scheuermann kommt es zur Bildung von Keilwirbeln, Verschmälerung der Bandscheiben und einer Wirbelsäulenverkrümmung, meist im Brustwirbelbereich (Ausbildung eines Rundrückens). Benannt ist das Leiden nach dem dänischen Orthopäden und Radiologen Holger W. Scheuermann (1877 – 1960). Die Erkrankung ist insgesamt recht häufig: Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 15 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Eine genaue Zahl hierzu ist schwer zu ermitteln, da der Übergang von der noch normalen Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten (Kyphose) zur krankhaften Veränderung fließend ist und somit häufig unbemerkt bleibt – auch deshalb, weil die Deformation häufig über lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Bei den erfassten Fällen sind Jungen im jugendlichen Alter etwa viermal häufiger betroffen als Mädchen.

Konkret verursacht werden die genannten Fehlbildungen durch Wachstumsstörungen des Knorpelgewebes, welches den knöchernen Kern der Wirbelkörper umgibt: Der Knorpel an der Vorderkante der Wirbelkörper wächst weniger stark als im hinteren Bereich, wodurch die typische Keilform entsteht. Dieses asynchrone Wachstum betrifft immer mehrere Wirbel gleichzeitig, zumeist im Bereich der Brustwirbelsäule, was zur Bildung eines Rundrückens führt. In selteneren Fällen sind Wirbelkörper im Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen; hierbei zeigt sich eine auffällige Abflachung im unteren Rückenbereich, sozusagen das Gegenteil vom Hohlkreuz.

Wie aber kommt es nun zu diesen Wachstumsstörungen der Wirbelkörper? Hier unterscheidet die Medizin zwischen äußeren Ursachen (exogene Faktoren) und inneren Ursachen (endogene Faktoren). Zu den erstgenannten zählen häufige mechanische Be- und Überlastungen der Wirbelsäule, etwa bei verschiedenen Sportarten (Turnen!), aber auch falsche, einseitige Belastungen durch Heben und Tragen schwerer Lasten oder eine ungesunde, gekrümmte bzw. schiefe Sitzhaltung über Stunden (z. B. am Schreibtisch) bei gleichzeitig schwacher Rückenmuskulatur. Innere Faktoren für das Entstehen des Leidens sind etwa Erbanlagen, hormonelle Veränderungen (während der Pubertät) oder eine Störung im Stoffwechsel (Verarbeitung von Kollagen, einem wesentlichen Baustein von Knochen, Knorpel und Sehnen / Bändern).

Da die Deformation unbehandelt in späteren Jahren zu erheblichen Beschwerden führen kann (chronische Schmerzzustände, Funktionseinschränkungen durch die fehlerhafte Wirbelsäulenstatik und Degeneration an den fehlbelasteten Wirbeln), sollte bei Verdacht auf eine solche Fehlbildung unverzüglich der Facharzt (Orthopäde) aufgesucht werden. Nach Befragung zur Krankenvorgeschichte (Belastungen der Wirbelsäule, Sitzgewohnheiten) wird der Arzt eine seitliche (transversale) Röntgenaufnahme der Wirbelsäule anfertigen, um die typischen Wirbelveränderungen (Keilform, Einlagerung von Bandscheibengewebe in die Wirbelkörper, Verengung der Wirbelzwischenräume) zu entdecken und den Grad der Verkrümmung bestimmen zu können.

Behandelt wird eine Scheuermann-Verkrümmung bevorzugt konservativ: Solange das Längenwachstum noch nicht abgeschlossen ist bestehen gute Chancen, durch Physiotherapie (Krankengymnastik mit Training zum gezielten Aufbau der Rückenmuskulatur) und dem konsequenten Vermeiden von Fehlhaltungen und -Belastungen den Grad der Fehlbildung zu verringern. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, eine individuell angefertigte Orthese (Korsett) über einen Zeitraum von mehreren Monaten zu tragen, zu Behandlungsbeginn mindestens 20 Stunden am Tag, was später verringert wird.

Eine Operation an der Wirbelsäule zur Behebung bzw. Verminderung der Deformitäten sollte nur in Erwägung gezogen werden, wenn die konservative Therapie erfolglos bleibt. Hierbei werden verschlissene Strukturen entfernt, z. T. durch Knochensegmente aus anderen Körperregionen ersetzt und einzelne Bereiche der Wirbelsäule mit metallenen Implantaten stabilisiert. Die Operation ist relativ aufwendig und mit Risiken behaftet; daher muss mit dem behandelnden Arzt im Einzelfall immer genau erörtert werden, ob der Eingriff insgesamt sinnvoll ist; im Zweifel kann das Einholen einer medizinischen Zweitmeinung sinnvoll sein.

Osteoporose (Knochenschwund)

Dieser Begriff bezeichnet eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, die deren Mikrostruktur schwächt und letztlich zu einem großen Verlust an Knochensubstanz führt. Zwar ist eine gewisse Verminderung der Knochenmasse nach dem 40. Lebensjahr normal; bei Osteoporose jedoch ist dieser natürliche Knochenabbau verstärkt und ein ungesundes Missverhältnis zwischen dem immer noch stattfindenden Knochenaufbau und Knochenabbau entsteht. Menschen mit Osteoporose verlieren also viel mehr Knochenmasse als ein gesunder Mensch.

Die Osteoporose kann in der Tat als Volkskrankheit bezeichnet werden: Allein in Deutschland sind etwa fünfeinhalb Millionen Menschen betroffen; vier Fünftel davon sind Frauen, bei denen sich das Leiden zumeist im höheren Lebensalter (nach der Menopause) manifestiert. Anders gesagt: Fast ein Drittel aller Frauen entwickeln im Alter eine Osteoporose.

Der Mediziner unterscheidet die primäre Osteoporose von einer sekundären Osteoporose. Fast 95 Prozent der Betroffenen leiden unter der erstgenannten Form, deren genaue Entstehungsweise in den meisten Fällen unklar bleibt: Es wird ein Zusammenhang mit einer Mangelproduktion von Geschlechtshormonen (Östrogen, Testosteron) vermutet. Ferner wird noch zwischen der postmenopausalen (Typ 1) und der senilen (altersbedingten) Osteoporose (Typ 2, meist nach dem 70. Lebensjahr) unterschieden. Von dieser altersbedingten Osteoporose sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. Die seltenere sekundäre Osteoporose wird unter anderem durch Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder langjährige Medikamenteneinnahme (Kortison!) ausgelöst. Aus dem Gesagten ergibt sich die Empfehlung, dass zumindest jede Frau nach dem 40. Lebensjahr, spätestens mit der Menopause, einmal eine vorsorgliche Messung der Knochendichte durchführen lassen sollte.

Das Tückische an Osteoporose ist die Tatsache, dass das Voranschreiten der Krankheit meist lange unerkannt bleibt: Betroffene bemerken zunächst lange nicht, dass sich ihre Knochensubstanz abbaut, sich die Knochendichte in erheblichem Maße vermindert. Wenn dann allerdings irgendwann Verformungen und Knochenbrüche, scheinbar ohne konkrete Ursache (Spontanfrakturen) auftreten, wird die Osteoporose schmerzhaft. Diese durch Osteoporose bedingten Knochenbrüche betreffen typischerweise einzelne Gelenke der Wirbelsäule (Wirbelkörper), den Hüftbereich (Oberschenkelhalsbruch) und den Unterarm (Speiche nahe am Handgelenk). Wirbelkörperbrüche verursachen eine Minderung der Körpergröße und können zur Ausbildung eines Rundrückens („Witwenbuckel“) führen. Die schmerzhaften Brüche schränken natürlich auch die Bewegungsfreiheit massiv ein – viele Betroffene sind nach längerer Erkrankungsdauer im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen.

Für die Diagnose der Erkrankung ist -neben der Befragung zur Vorgeschichte und einer körperlichen Untersuchung mit Beweglichkeitstest- vor allem die Messung der Knochendichte (Osteodensitometrie) von Bedeutung. Hierbei wird die aktuelle Dichte der Knochenstruktur mit speziellen Gerätschaften gemessen und der ermittelte Wert mit einem Referenzwert gesunder junger Menschen verglichen. Ergänzend können Ultraschall-, Röntgen- und Computertomographieuntersuchungen durchgeführt werden, auch die Entnahme einer Knochengewebsprobe zur Laboruntersuchung sowie Blut- und Urintests sind üblich.

Der krankhaft vermehrte Abbau der Knochenstruktur kann zumeist nicht vollständig gestoppt und erst recht nicht komplett rückgängig gemacht werden; wohl aber ist eine günstige Beeinflussung des Krankheitsverlaufs möglich. Die Behandlung fußt auf den Säulen Ernährung, medikamentöse Therapie, Bewegung und Prävention. Zunächst einmal gilt es, die eigenen Ernährungsgewohnheiten so anzupassen, dass viel Kalzium (Milchprodukte, Gemüse wie Broccoli, Grünkohl etc.) aufgenommen wird; Kalzium ist ein Grundstoff für den Knochenaufbau, ergänzt werden muss die Kalziumzufuhr durch die Aufnahme von genügend Vitamin D, welches das richtige Einlagern des Baustoffs in die Knochensubstanz erst ermöglicht. Die täglich benötigte Dosis an Vitamin D kann der Körper zum größten Teil selbst bilden, wenn er genug Sonnenlicht abbekommt; ergänzend helfen Vitamin-D-Präparate. Weitere wirksame Medikamente, um den Abbau der Knochensubstanz aufzuhalten, sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Bisphosphonate. Sie ähneln chemisch den körpereigenen Stoffen, die die innere Knochenstruktur bilden. Für manche Frauen kann auch eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen hilfreich sein. Der individuelle Alkohol- und Nikotinkonsum sollte signifikant zurück gefahren oder idealerweise ganz eingestellt werden.

Ganz wichtig ist auch ein richtiges Maß an Bewegung (Spaziergänge, Fahrradfahren, ruhiges Schwimmen etc.) und sportlicher Aktivität (Krafttraining). Die hierbei auf die Knochen wirkenden Zug- und Druckbelastungen regen die Stoffwechselprozesse an, wodurch die Bildung neuer Knochenzellen stimuliert wird. Der letztgenannte Punkt der Behandlungsstrategie bei Osteoporose (Prävention) bedeutet, dass Personen mit fortgeschrittenem Knochenabbau ihr Lebensumfeld so gestalten sollten, dass potentielle Stolperfallen und Stoßkanten möglichst entfernt bzw. gemieden werden, um die krankheitsbedingt erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen zu reduzieren.

Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung)

Mit diesem Begriff bezeichnet der Mediziner allgemein eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule (aus dem Griechischen: skolios = krumm) mit gleichzeitiger Verdrehung einzelner Wirbelkörper. In den allermeisten Fällen (etwa 90%) lässt sich keine konkrete Ursache für die Deformation bestimmen, man spricht dann von einer ideopathischen Skoliose. Die übrigen 10 Prozent entfallen auf Ursachen wie angeborene Deformitäten der Wirbel, gestörte Nervenfunktionen, Muskel- oder Systemerkrankungen sowie Fehlbildungen in der Statik des Skeletts, etwa unterschiedlich lange Beine oder ein schief stehendes Becken.

Die ideopathische Skoliose entwickelt sich meist während ausgeprägter Wachstumsphasen der Wirbelsäule, am häufigsten im Alter zwischen 10 und 14 Jahren; sie gilt daher als eine Wachstumsdeformität (von der Mädchen vielfach häufiger als Jungen betroffen sind), weil die Wirbelkörper in eine Richtung langsamer wachsen als in die andere. Dieses ungleichmäßige Wachstum einzelner oder mehrerer Wirbel verursacht deren Drehung (Torsion), die wiederum eine Verdrehung der gesamten Wirbelsäule bewirkt. Je schneller in dieser Zeit das Körperwachstum erfolgt, desto schneller nimmt auch der Grad der Fehlstellung zu. Im Ergebnis ist die Wirbelsäule seitlich nach rechts oder links verkrümmt. Da die krumm werdende Wirbelsäule in jungen Jahren meist keinerlei Beschwerden verursacht, wird die Deformation meist zufällig entdeckt, etwa durch die Eltern schulpflichtiger Kinder, durch einen Hinweis des Sportlehrers oder bei einer ärztlichen Routineuntersuchung.

Skoliosen werden vom Arzt in verschiedene Kategorien unterteilt: Einmal nach der Stärke der Krümmung, die in Winkelgraden nach einer Definition des amerikanischen Orthopäden John Robert Cobb angegeben wird; dann nach der Lokalisation der Verkrümmung(en), genauer: Dem Wendepunkt der Hauptkrümmung. Liegt dieser im Brustwirbelbereich, wird die Deformation als thorakale Skoliose bezeichnet, im Lendenwirbelbereich als lumbale Skoliose. Daneben gibt es noch Mischformen, auch mit zwei Wendepunkten. Die nächste Unterscheidung betrifft die Richtung, in die die Verbiegung von der geraden Ideallinie abweicht: Geht die Krümmung, von hinten betrachtet, nach links, spricht man von einer linkskonvexen Skoliose, bei Rechtskrümmung lautet die Fachbezeichnung entsprechend rechtskonvex. Schließlich wird die Deformation, je nach dem Alter, in dem sie sich zeigt, noch in die Kategorien infantile (bis 3 Jahre), juvenile (4. bis 10. Lebensjahr) und adoleszente (ab 11. Lebensjahr) Skoliose eingeteilt.

Besteht der Verdacht auf eine Verkrümmung der Wirbelsäule, ist der Facharzt für Orthopädie der richtige Ansprechpartner. Bei der Erstuntersuchung kann er schon durch bloßes Betrachten und Abstasten der Wirbelkörper die Art und Ausprägung einer Skoliose abschätzen. Zur genauen Diagnose kommt dann entweder eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen in Betracht; wegen der Strahlenbelastung durch die großflächige Röntgenuntersuchung, deren Nutzen/Risiko-Verhältnis gerade in Wachstumsphasen sorgfältig abgewogen werden sollte, haben viele Orthopäden mittlerweile technisch aufgerüstet und bieten eine völlig ungefährliche, digitale Vermessung der Wirbelsäule auf Ultraschallbasis an. Diese Untersuchung ist indes nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten (so genannte iGeL– individuelle Gesundheitsleistung), so dass man mit einer Zahlung ab etwa EUR 70,00 aufwärts dabei ist. Zusätzlich kann eine Röntgenaufnahme der Handknochen erfolgen, aus der der Arzt ersehen kann, wie weit das Knochenwachstum bereits fortgeschritten bzw. wie viel Wachstum noch zu erwarten ist.

Die Therapiemöglichkeiten zur Beseitigung oder Verminderung der Verkrümmung sind vielfältig und reichen von der Physiotherapie (Krankengymnastik) zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Schaffung des Bewusstseins für eine gesunde Sitzhaltung über orthopädische Schuheinlagen und Stützkorsetts bis hin zur Operation der Wirbelsäule mit Versteifung einzelner Abschnitte zu deren Stabilisierung. Welche Maßnahmen in welcher Kombination und Abfolge nun die richtigen sind, ist ganz entscheidend vom individuellen Krankheitsbild abhängig. Generell gilt: Je länger das Wachstum der Wirbelsäule noch anhält, desto eher ist es auch möglich, den Verlauf der Skoliose günstig zu beeinflussen.

Spinalkanalstenose (spinale Stenose)

Dieser Begriff (aus dem Griechischen stenosi = Verengung) bezeichnet ganz allgemein eine Einengung des Wirbelkanals der Wirbelsäule, in welchem das Rückenmark und die Rückenmarksnerven verlaufen. Oft steht eine solche Verengung in direktem Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall (siehe den Artikel hierzu), nämlich als Folgeerscheinung.

Eine Verengung des Wirbelkanals kann in seltenen Fällen auch angeboren sein; zumeist jedoch entsteht sie durch alters- oder berufsbedingten Verschleiß im Bereich der Bandscheiben, der knöchernen bzw. der Bandstrukturen im Bereich der Lendenwirbelsäule, typischerweise zwischen dem 3. und 4. und / oder dem 4. und 5. Lendenwirbel. Die Folge ist eine Abklemmung der im Wirbelkanal verlaufenden Nervenwurzeln, die weiter hinunter durch das Becken in die Beine führen. Begleitet wird diese spinale Enge in einigen Fällen von einem meist ebenso verschleißbedingten Wirbelgleiten zwischen den genannten Lendenwirbeln, wodurch -neben der verschleißbedingten Enge- ein weiterer einengender Faktor durch den Versatz der beiden Wirbelkörper hinzu kommt. Weitere, seltenere Ursachen für eine spinale Stenose im Bereich der Lendenwirbel sind Frakturen (Brüche) der Wirbelkörper als Folge eines Unfalls oder aufgrund von Knochentumoren in diesem Bereich.

Während die stechenden Rückenschmerzen bei einem akuten Bandscheibenvorfall dauernd vorhanden sind und die Betroffenen meist unverzüglich einen Arzt aufsuchen, kann sich die verschleißbedingte Einengung des Wirbelkanals im höheren Lebensalter langsam entwickeln, mit nur zeitweilig bzw. situationsabhängig (bei Belastung, etwa beim längeren Gehen) auftretenden Missempfindungen in den Beinen (Taubheitsgefühl, Kribbeln, Lähmungssymptome) und Schmerzzuständen. Der Volksmund kennt hier den Begriff der „Schaufensterkrankheit“, wenn Betroffene nach einer gewissen Gehstrecke immer wieder innehalten müssen, bis sich die Schmerzen etwas vermindert haben. Um nicht als jemand mit erheblichen gesundheitlichen Problemen aufzufallen („Geht´s Ihnen nicht gut?“) tun viele Betroffene bei den erzwungenen Gehpausen so, als würden sie die Auslagen eines Schaufensters betrachten, sofern sie sich denn tatsächlich durch eine Geschäftsstraße bewegen. Der Mediziner nennt dieses Symptom Claudicatio spinalis, lateinisch für „wirbelsäulenbedingtes Hinken“.

Wenn nun ein Betroffener beim Arzt vorstellig wird und über situationsabhängig wiederkehrende Schmerzen in den Beinen und / oder dem unteren Rückenbereich berichtet, muss zunächst geklärt werden, ob nicht vielleicht eine Durchblutungsstörung der Beine (vaskuläre Claudicatio) für die Beschwerden verantwortlich ist; die Symptome sind ähnlich, die Therapiewege jedoch verschieden. Der Arzt wird die Symptomatik sowie die Krankenvorgeschichte genau erfragen, um dann mittels der bildgebenden Untersuchungsverfahren (Röntgen, CT, MRT), einer Myelographie (Einbringen von Kontrastmittel in den Wirbelkanal) sowie einer neurologischen Untersuchung die Diagnose zu stellen.

Ergeben die Untersuchungen eine mechanische Instabilität der Wirbelsäule, bedingt durch unterentwickelte bzw. unzureichend trainierte Muskulatur, kann diese durch entsprechende, gezielte Gymnastik stabilisiert werden, um die Instabilität und ihre Folgen zu verbessern. Begleitend können Maßnahmen zur Schmerztherapie eingesetzt werden; dies ist oft schon deshalb notwendig, um eine effektive Trainingsarbeit überhaupt erst möglich zu machen.

Zu den nichtoperativen (konservativen) Behandlungsmethoden gehört neben der Schmerztherapie die Physiotherapie (Krankengymnastik) mit so genannten entlordosierenden Übungen. Dabei werden Haltungen eingenommen und erlernt, die den Wirbelkanal erweitern und den Druck auf das Rückenmark verringern. Ein entsprechendes Stützmieder hilft zusätzlich. Führt die konservative Behandlung zu keiner durchgreifenden Besserung, sollte ein Operation besprochen werden; hier gibt es mehrere Verfahren, wie etwa das minimalinvasiv durchgeführte Einsetzen von Abstandshaltern (Spacer) zwischen zwei Wirbelkörper oder das Stabilisieren des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts mit Metallimplantaten. Die mikrochirurgische Dekompression (Entlastung) der spinalen Stenose ist eine OP-Methode, bei der genau jene Strukturen entfernt werden, welche auf die Nervenstränge drücken. Welche Operation die richtige ist, hängt vom individuellen Krankheitsbild ab und muss daher im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt erörtert werden. Bei korrekter Durchführung zeigt sich rasch eine deutliche Besserung der Beschwerden, besonders der belastungsbedingten Schmerzen in den Beinen. Da die geschilderten, chronischen Beschwerden für die Betroffenen meist eine starke Einschränkung der Lebensqualität darstellen, sollte mit einer Operation, sofern die Indikation „passt“ und die Prognose günstig ist, nicht unnötig lange gewartet werden.

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