Wer das Wort Yoga hört denkt meist zuerst an akrobatische Verrenkungen und tatsächlich bestehen die meisten Yogakurse größtenteils aus Asanas. Asanas sind die körperlichen Übungen, die dazu verhelfen sollen, über die Wahrnehmung des Körpers den Geist unter Kontrolle zu bekommen. Grundsätzlich basiert Yoga auf 5 Prinzipien: körperliche Übungen, Atmung, Entspannung, Ernährung und Positives Denken/Meditation.
Während die meisten Yogakurse vor allem die ersten drei Prinzipien berücksichtigen, bieten viele Schulen auch Meditationskurse an. Über die richtige Ernährung wird in Yoga-Stunden oft wenig gelehrt.

Grundsätzlich geht es bei der yogischen Ernährung darum, dass wir essen um zu Leben und nicht Leben um zu essen. Folglich sollten Lebensmittel zu sich genommen werden, die einen positiven Effekt auf Körper und Geist haben und der Umwelt möglichst geringen Schaden zufügen. Das heißt, dass in der yogischen Ernährung kein Fleisch, Fisch oder Eier verzehrt werden und nur wenige Milchprodukte auf dem Speiseplan stehen. Eine nicht vegetarische Ernährung verletzt das Prinzip der Gewaltlosigkeit – Ahimsa-.
Häufig wird Yoga mit Ayurveda und somit der ayurvedischen Ernährung in Verbindung gebracht. Beide Lehren stammen aus Indien und sind verwandt. Während es sich beim Ayurveda um eine ganzheitliche Präventionsmaßnahme handelt, die den Körper betrifft, ist Yoga eine Philosophie, die zum Ziel hat, das höchste Bewusstsein zu erlangen. Beide Konzepte können gut miteinander kombiniert werden, da sie beide über nicht konkurrierende Wege das Ziel haben, das Wohlbefinden zu steigern, indem körperliche und geistige Entwicklung angestrebt wird.

Im Gegensatz zur ayurvedischen Ernährung wird in der yogischen Ernährung nicht zwischen den drei Doshas: Pitta, Kapha und Vata, sondern den drei Gunas: Sattva, Tamas und Rajas unterschieden. Ziel des Yoga ist, einen sattvigen Zustand zu erreichen. Sattvige Nahrung ist u.a. frisch und rein und fördert die körperliche, geistige und spirituelle Gesundheit. Sattva ist die Qualität der Reinheit.
Während Sattva für die Ausgeglichenheit steht, stehen Rajas und Tamas für Unausgeglichenheit.
Rajas steht für Aktivität und Bewegung. Rajasige Lebensmittel wirken anregend und bringt den Geist durcheinander. Tamas dagegen repräsentiert die Trägheit. Lebensmittel, die tamasig wirken, sind meist schwer verdaulich oder sie sind abgestanden und verdorben.
Neben den Lebensmitteln ist in der yogischen Ernährung auch die Zubereitung und der Verzehr selbst wichtig. Die Lebensmittel sollten schonend gegart werden, d.h. zum Beispiel, dass Gemüse besser gedünstet werden sollte und nicht gekocht, da so mehr Nährstoffe erhalten bleiben. Die Speisen sollten achtsam gegessen werden, d.h. es sollte langsam gegessen werden, die Speisen sollten gut gekaut werden und der Geschmack, Konsistenz und Temperatur sollten wahr genommen werden. Mit etwas Übung können evtl. auch Gefühle oder Stimmungen, die man mit diesen Speisen verbindet, wahrgenommen werden.
Die Mahlzeiten sollten wenn möglich täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden. In einigen Yogatraditionen ist es Standard, dass es nur zwei Hauptmahlzeiten und einen Snack pro Tag gibt. Dabei wird am Morgen nach der ersten Asana-Stunde gegessen und dann wieder am frühen Abend nach der zweiten Asana-Stunde. So hat der Körper zwischenzeitlich Zeit, die Nahrung zu verdauen und Ruhephasen einzuhalten. Ein ähnliches Konzept gibt es bei dem aktuellen Ernährungstrend des intermittierenden Fastens. Auch Fastentage, an denen keine feste Nahrung zugefügt wird, sind Bestandteil vieler Yoga-Schulen.
Im Alltag mag es vielen schwer fallen, sich auf zwei Mahlzeiten pro Tag zu beschränken, und auch die anderen Punkte der yogischen Ernährung konsequent einzuhalten. Grundsätzlich sollte aber eine Regel für die Yogapraxis eingehalten werden: Zwei Stunden vor der Stunde sollte auf üppige Mahlzeiten verzichtet werden.
Text: Debora Jehkul





Es ist faszinierend, wie oft Yoga auf reine Körperakrobatik reduziert wird, dabei steckt so viel mehr dahinter. Yoga ist kein Sport im klassischen Sinne, sondern ein ganzheitlicher Lebensweg, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringen will.