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Ihre Gesundheit

Depression – eine Volkskrankheit

Durch den Freitod des Fussballtorwarts der Nationalelf Robert Enke rückt eine Erkrankung in die Öffentlichkeit, die hier sonst gemieden wird – die Depression.

Etwa 20 Prozent der Bundesbevölkerung erkranken in ihrem Lebensverlauf einmal an ihr. Besonders Personen mit hohen Ansprüchen an sich selbst  gehören zu der Risikogruppe.

Wir haben Dr. med. Dirk Schmoll, leitender Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie der Schlosspark Klinik Berlin zum Thema Depression einige Fragen gestellt:

Wie definiert man Depressionen?

Depression leitet sich aus dem lateinischen „depressus“, zu Deutsch „niedergedrückt“, ab, womit die Stimmungslage bezeichnet wird. Definitionsgemäß gehört sie zu den affektiven Erkrankungen, die früher auch als Gemütskrankheiten bezeichnet wurden. Depressionen sind durch eine Vielzahl von Symptomen charakterisiert wie Interessenverlust, Lust- und Freudlosigkeit bis hin zum Lebensüberdruss, Rückzug aus dem sozialen Leben, Mangel an Schwung, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Zukunftsängste, Schlafstörungen und Appetitmangel mit Gewichtsverlust. Wenn solche Symptome über mindestens zwei Wochen anhaltend bestehen, spricht man von einer Depression.

Dr. med. Dirk Schmoll

Welche Arten existieren und wie können sie entstehen?

Nach den Ursachen unterscheidet man drei Erkrankungsformen: 1. Depressionen, die durch körperliche Erkrankungen ausgelöst sind wie etwa durch eine Unterfunktion der Schilddrüse, 2. erblich mitbedingte Depressionen, wobei nicht die Erkrankung direkt sondern nur ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, d.h. eine erhöhte Krankheitsbereitschaft, vererbt wird, sowie 3. durch seelische Belastungen ausgelöste Formen.

Welches sind die ersten Symptome?

Depressionen beginnen häufig mit Schlafstörungen. Sowohl das Einschlafen als auch das Durchschlafen kann erschwert sein, typisch ist das sog. Früherwachen in den frühen Morgenstunden. Daraus folgen Übermüdung am Tag mit entsprechender Leistungsminderung. Vermehrter Rückzug, erhöhtes Ruhebedürfnis oder Appetitmangel treten oft hinzu. Depressionen sind häufig (10 bis 20 % erkranken im Laufe ihres Lebens) und sind schwer zu erkennen. Es gibt gute Hinweise dafür, dass ein beträchtlicher Teil der Depressionen unerkannt bleibt.

Was können Betroffen unternehmen, wo sich hinwenden?

Am besten ist es, sich an einen Arzt zu wenden, wenn einige der genannten Symptome für länger als zwei Wochen bestehen. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der dann ggf. einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie empfehlen wird. In Notfällen, zum Beispiel bei Suizidgefahr, kann auch der Sozialpsychiatrische Dienst des zuständigen Gesundheitsamts helfen. Zudem gibt es in Großstädten wie Berlin einen rund um die Uhr erreichbaren Krisendienst (Tel. 030/ 390.63.20).

Dr. med. Dirk Schmoll

Dr. med. Dirk Schmoll

Diese Erkrankung stellt auch eine Belastung für das soziale Umfeld dar. Welche Gefahren bestehen hier?

Eine große Belastung stellt die Sorge dar, dass der Kranke sich aus seiner

Verzweiflung heraus das Leben nimmt. Immerhin versuchen sich 20 bis 60 % der Menschen in einer Depression das Leben zu nehmen, 10 bis 15 % töten sich selbst. Vor allem Männer versuchen nicht selten ihr Leiden zu verbergen und verweigern psychiatrische Behandlung, weil sie sich schämen oder Angst vor sozialen Nachteilen haben.

Wo können sich Angehörige informieren?

Angehörige können sich beim behandelnden Arzt informieren, sofern der Kranke zustimmt. Es empfiehlt sich ein Gespräch zu dritt, in dem Fragen geklärt und Verhaltensempfehlungen gegeben werden können. Eine gute Informationsquelle sind Ratgeberbücher, zur Depression zum Beispiel von Daniel Hell oder Günter Niklewski, zu psychotherapeutischen Fragen von Dirk Schmoll. Zu nennen ist auch der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker,  wo vielfältige Hilfen angeboten werden (Tel. 0228/ 63.26.46).

Hier finden Sie einen weiteren Artikel zu diesem Thema:

Text: JK       Fotos: DS

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