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Ihre Gesundheit

Besenreiser – nur unschön, oder gar gesundheitsgefährdend?

In Hinblick auf den Frühling sind die Schönheitsbewussten unter uns bereits jetzt in Vorbereitungen. Die Maßnahmen um das Antlitz in eine ansprechende Form zu bringen reichen von Diäten über sportliche Aktivitäten, der Besuch beim Zahnarzt zum Bleaching, bis hin zu kleinen minimal invasiven Eingriffen.

Eines der Makel, die hierbei behoben werden sollen nennt der Volksmund „Besenreiser“.

Besenreiser 1

Wir haben Dr. Algermissen nach der medizinischen Bezeichnung  die Formen und deren Entstehung befragt:

Durch unser Venensystem im Bereich der Beine fließen täglich über 1000 l Blut in Richtung Herzen. Damit das Blut nicht zurückströmt, wird es durch Venenklappen, die sich öffnen, wenn das Blut in Richtung Herz fließt und sich wie eine Klapptür schließen, wenn das Blut wieder zurückströmen will. Unterstützung findet das Herz durch die Muskeln im Bereich der Beine, die bei Bewegung das Blut in den Venen in Richtung Herz ausdrücken. Dies funktioniert im tiefen Beinvenensystem sehr gut, aber nur gering im Bereich des oberflächlichen Venensystems.  Versagen hier nur Teile der Venenklappen (z. B. bei einer familiären Bindegewebsschwäche) und strömt somit Blut in der Vene zurück, wird die nächste Venenklappe geschädigt und das Venenleiden beginnt. Zunächst ohne Symptome. Schmerzen sind gering, erst später werden „die Beine schwer“ oder korkenzieherartig geschlängelte Venen tauchen auf.

Besenreiser 2

Nach aktuellen Untersuchungen liegen bei jeder zweiten Frau und jedem vierten Mann über dem 40. Lebensjahr Venenschwächen vor. Viele dieser Patienten erkennen oft früher blau durch die Haut schimmernde Seitenastvenen oder Besenreiser. In einzelnen Bereichen bilden sich zunächst rötlich-livide oft kreisrunde Veränderungen (Perforansinsuffizenz), von denen sich dann immer mehr sich verzweigende Besenreiser bis zu Durchmessern von mehreren Millimetern bilden. Ein korallenartiges Muster von Besenreisern entsteht.  Aufgrund ihrer Form werden diese als „Besenreiservarizen“ bezeichnet und sind aufgrund Ihrer Erscheinungsform besonders ästhetisch störend. Typische Regionen finden sich oberhalb der Knie aber auch im Bereich der Fesseln. Die Besenreiser sind klinisch weniger gefährlich als die Schäden an der größeren Venen (Varizen, Varikose), sind aber ein erster Hinweis auf ein beginnendes Venenleiden. Wichtig ist daher, dass vor einer Behandlung der kleinen Venen eine Untersuchung des Venensystems z. B. mit der Dopplersonographie durch einen erfahrenen Venenarzt (Phlebologen) durchgeführt wird. Erst dann sollte eine Behandlung der Seitenastvenen und der Besenreiser angestrebt werden. Es gilt das Prinzip in der Venenbehandlung, dass immer zunächst die großen Venen und dann die kleineren Venen zu behandeln sind.

Welche Therapieformen gibt es?

Bezogen auf die größeren Gefäße gibt es allgemeine Maßnahmen wie vermeiden von langem Stehen und Übergewicht sowie einfache physikalische Maßnahmen wie  häufiges Hochlagern der Beine, kalte Wassergüsse am Morgen und natürlich viel Bewegung. Bei bereits ausgeprägten Krampfadern eignet sich das Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen, die die Funktion der Venenklappen unterstützen. Welche Art von Kompressionsstrumpf  (Wadenstrümpfe, Halbschenkelstrümpfe, Strumpfhosen etc.) für Sie passt, sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Besenreiser 3

Nach der Untersuchung des Venensystems wird Sie der Venenarzt (Phlebologe) oder Hautarzt (Dermatologe) über evtl. weitere Maßnahmen informieren und mit Ihnen gemeinsam planen.

Größere Venen oder Seitenastvenen werden chirurgisch entfernt oder mit einer Laser- oder Radiofrequenzsonde verödet.  Die restlichen Venen können durch Einspritzen mit einer Flüssigkeit (Sklerosierung) oder durch spezielle Laser (z. B. gepulste Nd:YAG-Laser) behandelt werden.

Die sogenannte „BIO-Sklerosierung“ verwendet hochkonzentrierte Kochsalzlösungen, ansonsten wird meist Polidocanol als Schaum oder direkt als Lösung in die Venen eingespritzt und die Venen für einen bestimmten Zeitraum zusammengedrückt gehalten (komprimiert z. B. über Kompressionsstrümpfe). Bei diesem Verfahren wird eine Entzündung in den Venen ausgelöst, die im Verlauf zu einem Verschluss und zur Verhärtung (Sklerose) der behandelten Vene führt.

Bis vor wenigen Jahren konnten mit unterschiedlichen Lasersystemen nur kleine rötliche Venen erfolgreich behandelt werden. Mit der Entwicklung von speziellen Lasersystemen (bes.  gep. Nd:YAG-Laser) gelingt heute die Behandlung von Seitenastvarizen und Besenreisern zwischen 0,5 -5mm mit einer Ansprechrate, die im Bereich der Sklerosierungstherapie liegt. Vergleichstudien, in denen Patienten mit Sklerosierungstherapie oder mit dem gep.  Nd:YAG-Laser behandelt wurden, erbrachten die gleichen Behandlungsergebnisse. Dabei verschwanden ca. 70% der behandelten Gefäße nach einer Behandlung. „Blaue Gefäße“ sprachen besser an als rötliche Gefäße.

Besenreiser 4

Bei dem von uns verwendeten gep. Nd:YAG-Laser wird die Hautoberfläche über das Handstück gekühlt, damit keine Erwärmung und Verletzung der oberen Hautschichten entstehen kann. Das Laserlicht dringt in die Tiefe ein, umspült das Gefäß. Das Laserlicht wird von den roten Blutkörperchen in dem Gefäß aufgenommen. Dabei verklumpen die roten Blutkörperchen und das Gefäß ist in Bruchteilen einer Sekunde verschlossen. Der Patient verspürt für 1-2 Sekunden einen heißen Stich. In bestimmten Regionen (z. B. Fessel) ist der Schmerz intensiver, aber verschwindet nach wenigen Sekunden. Schmerzen nach der Behandlung treten nicht auf. Es bildet sich eine vorübergehende Rötung und leichte, umschriebene Schwellung für einige Stunden. Eine Kompressionstherapie nach der Behandlung ist nicht notwendig, da das Gefäß sofort verschlossen wird. Der Patient ist in den folgenden Tagen nicht eingeschränkt. Das verschlossene Gefäß verschwindet je nach Durchmesser innerhalb von  4-12 Wochen. In einer Sitzung von ca. 30 Min. lassen sich auf diese Weise große Areale schnell behandeln.

Besenreiser 5

Schaut man auf die Liste der Kontraindikationen für die Sklerotherapie bei ästhetisch störenden Venenveränderungen (Allergische Reaktion auf Sklerosierungsmittel, Schilddrüsenüberfunktion, Schwangerschaft, etc.) und auf die Komplikationen (Allergische Reaktion, Hautnekrosen, Narben, Nervenschädigungen, migräneartige Symptome, Thromboembolie, Flimmerskotome, etc.) so teilt die Lasertherapie mit der Sklerotherapie nur Nebenwirkungen, die mit dem Verschwinden der behandelten Venen auftreten (Pigmentstörung, Matting (viele rötliche Gefäße in der Umgebung des ehemaligen Vene) und oberflächliche Hautnekrosen) . Gründe, die in unserer Praxis zum Verlassen der Sklerotherapie für ästhetische störende Venenveränderungen geführt haben.

Welche Gefahren bestehen ohne Behandlung?

Ästhetisch störende Venenveränderungen führen im Verlauf sehr selten zu Komplikationen. Demgegenüber stehen die Gefahren bei Nichtbehandlung von größeren Venenleiden. Hier können im Verlauf z. B. sogenannte offene Beine (Ulcus cruris) mit häufig chronischen Verlauf  und erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität des Patienten entstehen.

Besenreiser 6

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur die Behandlung von Venenleiden, die zu einer Verschlimmerung oder Verschlechterung des Venenbefundes führen können, oder die Kosten für evtl. entstehende Komplikationen, wie das „offene Bein“. Die Kosten für die Behandlung von ästhetisch störenden Venenveränderungen (z. B. Besenreiser) ist ausgeschlossen und muss vom Patienten selbst getragen werden.

Fotos: KH

2 Kommentare zu “Besenreiser – nur unschön, oder gar gesundheitsgefährdend?”

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