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Ihre Gesundheit

Nieren


Die zwei menschlichen Nieren sind ein spiegelbildlich angeordnetes Organ im hinteren Oberbauch, unterhalb des Zwerchfells und außerhalb der Bauchhöhle, eingebettet in eine Kapsel aus Fettgewebe. Sie reinigen das Blut durch Ausscheidung von Abfallstoffen und regulieren Blutdruck sowie den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers.

Die zwei menschlichen Nieren sind ein spiegelbildlich angeordnetes Organ im hinteren Oberbauch, unterhalb des Zwerchfells und außerhalb der Bauchhöhle, eingebettet in eine Kapsel aus Fettgewebe. Sie reinigen das Blut durch Ausscheidung von Abfallstoffen und regulieren den Blutdruck sowie den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers.

Im Querschnitt zeigen die Nieren einen dreischichtigen Aufbau. Die äußere Schicht (Cortex) enthält die Blut verarbeitenden Zellen (Nephrone). Die auszuscheidende Restflüssigkeit (Urin) sammelt sich im trichterförmigen Innenbereich, dem Nierenbecken (Pelvis), von wo aus sie kontinuierlich in die Harnleiter zur Harnblase abfließt. Da die Niere hauptsächlich Blut filtert, hat sie eine starke Blutversorgung; die Nierenarterie zweigt direkt von der Hauptarterie des Körpers, der Aorta, ab. Innerhalb eines jeden Tages (24 h) werden etwa 1.700 Liter Blut durch die Nieren gefiltert.

Die am oberen Rand einer jeden Niere angeordnete Nebenniere (siehe hierzu den separaten Artikel) hat nichts mit der Filterung von Körperflüssigkeiten zu tun, sondern produziert verschiedene lebenswichtige Hormone wie Glukokortikoide (Stoffwechsel) und Mineralkortikoide (Salz- und Wasserhaushalt).

Angeborene Fehlbildungen des Nierensystems gehören zu den häufigsten Fehlbildungen beim Menschen. Sie lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:
– numerische Anomalien: Erstens die (seltene) fehlende Anlage beider Nieren beim Neugeborenen (bilaterale Nierenagenesie, Potter-Syndrom). Immer tödlich, da die lebenswichtigen Funktionen nicht ausgeführt werden können. Zweitens die einseitig fehlende Niere bei normaler Ausbildung der Gegenseite (unilaterale Nierenagenesie), oft kombiniert mit weiteren Fehlbildungen im Harnleiter- und Genitalbereich. Meist kann die einseitige Niere dennoch die volle Funktionalität bereitstellen. Drittens die sehr seltene Anlage einer zusätzlichen dritten Niere mit normaler Funktion.

– Lage- und Fusionsanomalien mit erhöhter Anfälligkeit für Funktionsstörungen, Nierensteinbildung und Harnwegsinfektionen: Hierunter fallen Nierenektopie und gekreuzte Nierenektopie (versch. Fehllagen im Bauchraum), die Hufeisenniere (beide Nieren sind miteinander verwachsen) oder die sog. Wanderniere, womit eine abnorme Beweglichkeit der Niere(n) im Bauchraum bei verschiedenen Körperhaltungen bezeichnet wird.

– Anomalien der Nierengefäße: Hiermit sind Fehlausbildungen der Blutversorgung gemeint, wie etwa mehr als eine Nierenarterie, Doppelversorgung einzelner Nierenbereiche oder eine Nierenarterie, die nicht wie üblich aus der Hauptschlagader (Aorta) entspringt.

– Fehlbildungen des Kelchsystems im Inneren der Niere: Hier sind Divertikel (Ausstülpungen) und Megakalikose (Vergrößerung des Kelchsystems durch fehlgebildete Papillen) möglich.

– Fehlbildungen in Größe, Form oder Struktur (Nierendysgenesie).

– Vererbbare (genetisch bedingte) sowie nicht erbliche zystische Nierenerkrankungen. Unter Zysten versteht man hier einzelne, flüssigkeitsgefüllte und von einer Kapsel umgebene Hohlräume im Nierengewebe. Eine einzelne Nierenzyste verursacht meist keine Beschwerden und wird nur als Zufallsbefund bei einer Nierenuntersuchung entdeckt. Die Häufigkeit des Auftretens von Nierenzysten steigt mit dem Lebensalter. Hingegen ist die meist erblich bedingte massive Zystenbildung in den Nieren (Zystenniere) eine der Hauptursachen für chronisches Nierenversagen.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Die häufigste entzündliche Nierenerkrankung ist die akute, bakteriell bedingte Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Hierbei ist das Bindegewebe im Innern der Niere im nah am Harnleiter liegenden Bereich betroffen. In der Regel tritt die Infektion nur einseitig auf. In jüngeren Jahren sind Frauen aufgrund ihrer Anatomie häufiger als Männer betroffen: Die kurze Harnröhre der Frau erleichtert das Eindringen bzw. Aufsteigen von bakteriellen Erregern in den Harntrakt, über Blase und Harnleiter bis hinauf zu den Nieren. Im Alter ist es umgekehrt, da hier bei Männern häufig Prostatawucherungen den Harnabfluss behindern und somit Infektionen begünstigen. Oft ist auch der Harnabfluss durch einen Nierenstein behindert und mit auslösend. Eine allgemein geschwächte Immunabwehr, etwa aufgrund der Behandlung mit Immunsuppressiva oder bei der chemischen Krebstherapie, kann die Infektion ebenfalls begünstigen. Die häufigsten für eine Nierenbeckenentzündung verantwortlichen Erreger sind Darmbakterien vom Typ Escherichia coli, es kommen aber auch Staphylokokken, Enterokokken und weitere Bakterientypen als Auslöser in Frage. Eher selten entsteht eine Nierenbeckenentzündung durch über die Blutbahnen in die Nieren eingedrungene Erreger.
Symptome sind heftige Schmerzen in der Nierengegend, also im unteren Rückenbereich seitlich, Schwellungen des Organs, allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Fieberschüben sowie Schmerzen beim gehäuften Wasserlassen. Die Diagnose wird aufgrund von Blut- und Urinuntersuchungen gestellt, bildgebende Untersuchungsverfahren wie Ultraschall und Röntgen sind zusätzlich möglich. Im Ultraschall- oder Röntgenbild kann der Arzt beispielsweise erkennen, ob der Urinabfluss behindert ist oder anatomische Fehlbildungen der Niere vorliegen.
Die Behandlung der akuten Nierenbeckenentzündung erfolgt zumeist medikamentös mit Antibiotika. Hierzu muss der behandelnde Arzt zunächst Blut- und Urinuntersuchungen durchführen, um den oder die verantwortlichen Erreger bestimmen und das gegen den ermittelten Bakterientyp am besten wirksame Antibiotikum verordnen zu können. Die Einnahme erfolgt über einen Zeitraum von mindesten sieben Tagen. Die Behandlung wird durch Einhalten von Bettruhe sowie reichliche Flüssigkeitszufuhr unterstützt; gegen die Begleitsymptome wie Fieber und Schmerzzustände können weitere Arzneien verordnet werden. In der Regel heilt die akute Nierenbeckenentzündung dann komplikations- und folgenlos aus.
Die chronische Form der Nierenbeckenentzündung kann lange symptomlos verlaufen, kann aber irgendwann zur Beeinträchtigung aller Nierenfunktionen bis hin zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz) führen. Symptome wie häufige Abgeschlagenheit, Urintrübung, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen oder Gewichtsverlust müssen ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Auch hier erfolgt die Behandlung mit auf den Erregertyp abgestimmten Antibiotika, jedoch über einen längeren Zeitraum, ggfs. durch Infusionen im Rahmen eines Klinikaufenthaltes. Es besteht die Gefahr, dass die Entzündung eitrig wird und es zu einer von den Harnwegen ausgehenden Blutvergiftung (sog. Urosepsis) kommt. Die chronische Form der Erkrankung heilt meist nicht vollständig aus. Bei schwerem Verlauf kommt auch die Entfernung der betroffenen Niere in Betracht. Reichliche Flüssigkeitszufuhr unterstützt auch hier den Heilungsprozess und beugt neuen Entzündungsschüben vor.

Nierenkrebs (Nierentumore)

Hierbei ist grundsätzlich zwischen gutartigen Wucherungen (nicht metastasierend) und bösartigen Gewebsveränderungen (metastasierend) zu unterscheiden. Zur erstgenannten Gruppe zählen Onkozytom und (seltener) Angiomyolipom. Da mit zunehmendem Wachstum fast immer eine Gefährdung der Nierenfunktion einhergeht, ist die operative Entfernung der Geschwulst stets angezeigt. Eine sichere Abgrenzung zu bösartigen Wucherungen ist vor allem beim Onkozytom vorab meist nicht sicher möglich; erst während der OP kann entschieden werden, ob hier organerhaltend vorgegangen werden kann oder die ganze Niere entfernt werden muss.

Bösartige Nierentumore treten relativ selten auf, sie machen etwa 2-3 Prozent aller bösartigen Tumorerkrankungen aus. Somit werden in Deutschland jedes Jahr etwa 15.000 Neuerkrankungen registriert, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Die meisten Fälle treten jenseits des 60. Lebensjahres auf. Zumeist handelt es sich hierbei um Nierenzellkarzinome (Hypernephrome), die ihren Ursprung in jedem Teil eines Nephrons (der kleinen Funktionseinheit einer Niere) haben können. Der Mediziner unterscheidet mehrere Unterarten von Nierentumoren hinsichtlich ihres zellulären Aufbaus und Wachstumsverhaltens. Nierentumore können ihren Ursprung auch in anderen Körperregionen haben (Lungen-, Brust- oder schwarzer Hautkrebs).

Wie bei den meisten Krebsformen sind auch die genauen Ursachen für das Entstehen von Nierenkrebs noch nicht genau geklärt. Es lassen sich jedoch verschiedene Risikofaktoren benennen, die das Entstehen eines Nierenkarzinoms begünstigen können: Hierzu zählen (wie eigentlich immer) langjähriges Rauchen, langjähriger Schmerzmittelgebrauch bzw. Missbrauch (vor allem solcher mit dem Wirkstoff Phenacitin), Übergewicht sowie immer wiederkehrender Kontakt mit bestimmten Stoffen wie Asbest, Lösungsmitteln und Treibstoffen. Auch eine genetische Veranlagung (ein Defekt auf dem 3. Chromosom) kommt in Frage, etwa 1 Prozent aller Nierenkrebsfälle lassen sich hierauf zurück führen.

Kleine Nierentumore verursachen in der Regel keine Symptome und werden meist zufällig bei bildgebenden Diagnoseverfahren (CT, MRT, Ultraschall) entdeckt, etwa während der Untersuchungen zur Bestimmung und Entfernung von Nierensteinen. Eine histologische Gewebsbestimmung nach Punktion der Niere schafft Gewissheit. Allgemeine Anzeichen, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen, sind häufige Abgeschlagenheit / Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Fieberschübe, ziehende Schmerzen im unteren Rücken sowie Blut im Urin.

Genaue Untersuchungen über Größe, Lage und Stadium des Tumors bestimmen das operative Vorgehen. Dabei wird auch in anderen Körperregionen wie Lunge, Leber, Magen, Knochen und Gehirn vorsorglich nach weiteren Tumoren (Fernmetastasen) gesucht. Kleinere Tumore können mittlerweile zunehmend organerhaltend entfernt werden, bei großen, differenzierten Wucherungen ist zumeist die Entfernung der ganzen Niere mit Nebenniere, Harnleiter und dem umgebenden Fettgewebe erforderlich. In den meisten Fällen ist nur eine der beiden Nieren befallen und nach dessen operativer Entfernung kann die verbliebene Niere, soweit sie voll funktionsfähig ist, deren Funktion komplett ersetzen.

Wenn festgestellt wurde, dass sich der Krebs bereits über die Niere hinaus ausgebreitet hat, kommen die weiteren Behandlungsmöglichkeiten wie Strahlen- und Chemotherapie in Betracht. Die klassische Chemotherapie mit die Zellteilung behindernden Präparaten (Zytostatika) ist bei reinen Nierentumoren zumeist nicht wirksam, jedoch existiert mittlerweile eine Reihe neuartiger Stoffe (so genannte zielgerichtete Krebsmedikamente), die direkt in den Stoffwechsel des jeweiligen Tumortyps eingreifen und so deren Wachstum hemmen, bei weitgehender Schonung anderer (gesunder) Zellen. Im Erprobungsstadium ist derzeit noch eine zusätzliche Immuntherapie mit so genannten Zytokinen, die die körpereigene Immunabwehr dazu stimulieren sollen, noch im Körper verbliebene Krebszellen anzugreifen.

Nach erfolgreicher Operation erfolgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren, zunächst einmal pro Quartal, später ein- bis zweimal im Jahr. Diese Untersuchungen umfassen neben einer Blutanalyse eine Sonografie des Bauchraums sowie ein Röntgenbild der Lunge. Entscheidend für den Langzeiterfolg ist neben dieser Nachsorge wie immer auch das Stadium, in dem der Nierentumor entdeckt und entfernt wurde. Bei auf die Niere begrenzten Tumoren ist inzwischen eine 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 75 Prozent erreicht.


Nierenrindenentzündung (Glomerulonephritis)

Die zwei Nieren des Menschen enthalten jeweils ungefähr eine Million der so genannten Glomeruli als Bestandteil eines jeden Nierenkörperchens (Corpusculum renale). Ein Nierenkörperchen bildet zusammen mit seinen Nierenkanälchen (Tubuli) eine Funktionseinheit der Niere, das Nephron.
Die etwa 0,3 mm großen und kugelförmigen Glomeruli bestehen aus einem Knäuel von kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren. Über die Wand der Kapillaren wird das Blut durch Filtration von Stoffwechselendprodukten befreit. Dabei wird innerhalb von 24 Stunden die gesamte menschliche Blutmenge über 50 mal gereinigt. Wenn diese essentielle Nierenfunktion nicht (mehr) ausreichend gegeben ist, muss die Aufgabe der Glomeruli von einem externen Gerät zur Dialyse (Blutwäsche) übernommen werden.
Bei einer Entzündung der besagten Nierenglomeruli spricht der Mediziner von einer Glomerulonephritis, von der verschiedene Formen unterschieden werden:
Die akute Glomerulonephritis tritt zumeist spontan auf, häufig nach Infektionen mit bestimmten Bakterientypen (Streptokokken). Diese Form der Nierenentzündung ist auch unter den Namen “akutes nephritisches Syndrom” und “postinfektiöse Glomerulonephritis” bekannt.
Bei der rasch progressiven Glomerulonephritis (RPGN) kommt es infolge eines besonders schweren Entzündungsvorgangs zur Zellwucherung, welche die Glomeruli innerhalb von Tagen bis Wochen zerstören kann: Die Nierenfunktion verschlechtert sich bis hin zum völligen Nierenversagen, welches stets einen medizinischen Notfall darstellt, der unbehandelt zum Tod führt.
Eine chronische Glomerulonephritis ist eine Form der Nierenentzündung, die sich über Jahre bis Jahrzehnte entwickelt. Als Folge kommt es zunehmend zur Verschlechterung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) bis hin zum Nierenversagen. Die chronische Glomerulonephritis wird auch als “chronisches nephritisches Syndrom” und “proteinurisches Syndrom” bezeichnet.
Beim nephrotischen Syndrom können sich unterschiedliche Beschwerden zeigen: Die Betroffenen verlieren Eiweiße über den Urin (Proteinurie), es sammelt sich Wasser im Gewebe an (Ödeme) und die Blutfettwerte steigen. Das nephrotische Syndrom kann die Niere dauerhaft schädigen.
Medizinisch wird auch zwischen einer primären und sekundären Glomerulonephritis unterschieden; die erstgenannte Form ist eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Ursache noch nicht erforscht ist. Dagegen ist eine sekundäre Glomerulonephritis die Folge einer Grunderkrankung außerhalb der Niere: Dies können beispielsweise Infektionen, andere Autoimmunerkrankungen, Diabetes, eine HIV-Infektion oder Drogen- bzw. Medikamentenmissbrauch sein.
Während sich bei der akuten Form einer Glomerulonephritis körperlich deutlich spürbare Symtome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- bzw. Bauchschmerzen sowie Wasseransammlunegn im Gewebe (Ödeme) zeigen können, sind die chronischen Formen der Erkrankung im frühen Stadium zumeist nur durch Blut- und Urinuntersuchungen nachweisbar. Es zeigen sich Blutbestandteile im Urin (Hämaturie) oder es werden Eiweiße ausgeschieden (Proteinurie). Bei größeren Beimengungen sind diese bereits mit bloßem Auge an einer Dunkelfärbung des Urins (Blut) oder einer Trübung (Eiweiß) erkennbar. Im Blut ist der Nierenfaktor Kreatinin diagnostisch von Bedeutung. Deuten die Laborbefunde auf eine Nierengewebsentzündung hin, wird der behandelnde Facharzt (Nephrologe) weitere Untersuchungen wie etwa eine Nierensonografie (Ultraschall) oder eine Entnahme von Nierengewebe (Punktion) durchführen.
Die Therapie einer Glomerulonephritis richtet sich danach, welche Form der Nierengewebsentzündung besteht und ob diese einen akuten oder chronischen Verlauf hat. Die akute Form wird mit Antibiotika behandelt, zusätzlich kommen entwässernde Medikamente (Diuretika) gegen Ödeme sowie Mittel gegen eventuell erhöhten Blutdruck zur Anwendung. Bei den chronischen Formen geht es neben der Milderung der beschriebenen Begleitsymptome vor allem darum, den Entzündungsprozess an sich in den Griff zu bekommen: Hierzu werden sowohl entzündungshemmende Präparate mit dem Wirkstoff Methylprednisolon als auch Medikamente, die die Funktion des Immunsystems abschwächen (Wirkstoff Cyclophosphamid) verabreicht. Ernährungsgewohnheiten sollten überprüft und ggfs. angepasst werden (angepasste Flüssigkeitszufuhr, eiweißarme Kost). Die chronischen Verlaufsformen sind zumeist nicht ursächlich heilbar, so dass die Therapie darauf abzielt, die Nierenfunktion über einen möglichst langen Zeitraum soweit stabil zu halten, dass keine Dialyseabhängigkeit eintritt. Sind die Nieren durch Krankheitsfortschritt so stark geschädigt, dass die Filterleistung nicht mehr ausreicht, wird die regelmäßige externe Blutwäsche (Dialyse) zur Entfernung giftiger Stoffwechselendprodukte lebensnotwendig. Alternativ kann der behandelnde Arzt eine Nierentransplantation vorschlagen und die Betroffenen auf die Warteliste für ein Spenderorgan setzen.

Nierensteine (Nephrolithiasis)

Mit dem Begriff Nierensteine bezeichnet der Mediziner Zusammenballungen (Konkremente) von Stoffen, die durch Auskristallisieren von normalerweise im Urin gelösten Stoffen im Nierenbecken entstehen. Sie variieren in Zusammensetzung und Größe und können einzeln oder gehäuft auftreten. Hierzulande bekommen etwa fünf Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens Probleme mit Nierensteinen, wobei Männer etwas häufiger als Frauen betroffen sind. Die meisten Fälle treten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.

Die Ursachen der Nierensteinbildung sind nicht vollständig geklärt, es kommen Faktoren wie erbliche Veranlagung, Ess- und Trinkgewohnheiten (Flüssigkeitsmangel), vermehrter Harnsäurespiegel im Blut (Gicht) oder auch Harnwegsinfektionen sowie verschiedene Stoffwechselerkrankungen in Frage.
Nierensteine können über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben, solange sie keine Symptome verursachen. Je nach Beweglichkeit und Größe können sie sich jedoch im Nierenbecken verklemmen und dort eine Kolik mit starken, krampfartigen Schmerzen verursachen. Kleine Nierensteine passieren den Harnweg und werden ausgeschieden, sie können sich aber auch im Harnleiter festsetzen und diesen verstopfen, so dass es zum Harnstau mit ähnlichen Krampfschmerzen kommt, in diesem Fall spricht man von einer Harnleiterkolik. Typischerweise ist auch Blut im Urin sichtbar oder labortechnisch nachweisbar. Es drohen Komplikationen wie eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder eine Harnvergiftung (Urämie) des Blutes.

Die Behandlung einer derartigen Nierenkolik muss unverzüglich beginnen. Neben einer krampflösenden Schmerztherapie zur Linderung der akuten Symptome geht es natürlich darum, die Verstopfung der Harnwege zu beseitigen. Hierzu verschafft sich der behandelnde Arzt mittels der verschiedenen bildgebenden Verfahren (Ultraschall, Röntgen, CT, MRT) einen Überblick über Größe, Menge und Lage des oder der Nierensteine. Die chemische (mineralische) Zusammensetzung der Nierensteine variiert; entsprechend lassen sich manche Arten von Steinen medikamentös auflösen, andere von außen durch die so genannte exkorporale Stoßwellentherapie (ESWL) in kleine Krümel zertrümmern, die dann mit dem Harn ausgeschieden werden. Auch neuartige endoskopische Laserverfahren kommen in letzter Zeit vermehrt zum Einsatz: Zugang verschafft sich der Arzt entweder endoskopisch durch Harnröhre und Harnblase bis in den Harnleiter oder durch einen kleinen Hautschnitt in Nierennähe.

Wer bereits einmal wegen eines Nierensteins behandelt werden musste hat ein Risiko von über 60 Prozent, dass es zu einer erneuten Steinbildung kommt. Um nun die Bildung neuer Steine bestmöglich zu verhindern ist es notwendig, die Ursache der Steinbildung zu ermitteln. Hierzu führt der Arzt weitere Blut- und Urinuntersuchungen durch: Der über 24 Stunden gesammelte Urin wird hinsichtlich Volumen, pH-Wert und seinem Gehalt an Kalzium, Natriumsalzen, Harnsäure, Oxalat, Citrat und Kreatinin analysiert. Darüber hinaus werden auch die medizinische Vorgeschichte des Patienten sowie sein Beruf und das Essverhalten mit erörtert. Der Stein sollte nach seiner Entfernung oder seinem Spontanabgang auf seine Zusammensetzung hin analysiert werden, sofern dies noch nicht während des endoskopischen Eingriffs geschehen ist.
Eine einfache und effektive Art, das Risiko der Neubildung von Nierensteinen zu verringern, ist die Verdünnung des Urins durch Erhöhung der täglichen Flüssigkeitszufuhr, am besten durch Mineralwässer, Fruchtsaftschorlen oder Tee, so dass es zu einer Gesamtausscheidung von etwa 2,5 l Urin pro Tag kommt. Doch Achtung beim schwarzen Tee: Patienten, deren entfernte Nierenstein(e) aus Kalziumoxalat bestanden, sollten diesen ebenso meiden wie Cola, Kaffee und einige weitere Lebensmittel, etwa Nüsse, Schokolade, Erdbeeren, Rüben und Spinat.

Tumore der Niere

Hier ist zwischen gutartigen Wucherungen (nicht metastasierend) und bösartigen Gewebeveränderungen (metastasierend) zu unterscheiden. Zur erstgenannten Gruppe zählen Onkozytom und (seltener) Angiomyolipom. Da mit zunehmendem Wachstum fast immer eine Gefährdung der Nierenfunktion einhergeht, ist die operative Entfernung der Geschwulst stets angezeigt. Eine sichere Abgrenzung zu bösartigen Wucherungen ist vor allem beim Onkozytom vorab meist nicht sicher möglich; erst während der OP kann entschieden werden, ob hier organerhaltend vorgegangen werden kann oder die ganze Niere entfernt werden muss.

Bösartige Nierentumore sind relativ selten (1-2 % aller bösartigen Tumorerkrankungen). Zumeist handelt es sich hierbei um Nierenzellkarzinome, die ihren Ursprung in jedem Teil eines Nephrons (der kleinen Funktionseinheit einer Niere) haben können. Nierentumore können ihren Ursprung auch in anderen Körperregionen haben (Lungen-, Brust- oder schwarzer Hautkrebs). Genaue Untersuchungen (CT, MRT, histologische Gewebsbestimmung nach Punktion) sowie Größe, Lage und Stadium des Tumors bestimmen das operative Vorgehen. Kleinere Tumore werden zunehmend organerhaltend entfernt, bei großen, differenzierten Wucherungen ist zumeist die Entfernung der ganzen Niere mit Nebenniere, Harnleiter und dem umgebenden Fettgewebe erforderlich.

Entzündungen der Niere

Die häufigste entzündliche Nierenerkrankung ist die akute, bakteriell bedingte Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). In der Regel tritt die Infektion nur einseitig auf. In jüngeren Jahren sind Frauen aufgrund ihrer Anatomie (kurze Harnröhre erleichtert das Eindringen von Erregern in den Harntrakt) häufiger als Männer betroffen, im Alter ist es umgekehrt, da hier bei Männern häufig Prostatawucherungen den Harnabfluss behindern und somit Infektionen begünstigen. Oft ist auch der Harnabfluss durch einen Nierenstein behindert und mit auslösend. Eine allgemein geschwächte Immunabwehr, etwa aufgrund der Behandlung mit Immunsuppressiva oder bei der chemischen Krebstherapie, kann die Infektion ebenfalls begünstigen. Symptome sind heftige Schmerzen in den Nierengegend, Schwellungen des Organs, Fieberschübe und Probleme beim Wasserlassen. Die Diagnose wird aufgrund von Blut- und Urinuntersuchungen gestellt, bildgebende Untersuchungsverfahren sind zusätzlich möglich. Die Behandlung erfolgt zumeist medikamentös mit Antibiotika.

Die chronische Form der Nierenbeckenentzündung kann lange symptomlos verlaufen, führt aber irgendwann zur Beeinträchtigung aller Nierenfunktionen bis hin zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz). Symptome wie Abgeschlagenheit, Urintrübung, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen oder Gewichtsverlust müssen ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Auch hier erfolgt die Behandlung mit auf den Erregertyp abgestimmten Antibiotika, jedoch über einen längeren Zeitraum. Die chronische Form der Erkrankung heilt meist nicht vollständig aus. Bei schwerem Verlauf kommt auch die Entfernung der betroffenen Niere in Betracht. Reichliche Flüssigkeitszufuhr unterstützt den Heilungsprozess und beugt Neuinfektionen vor.

Entzündungen der Nierenrinde (Sammelbezeichnung: Nierenentzündung, Glomerulonephritis) hingegen zählen nicht zu den Harnwegsinfekten, sondern zumeist zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem Teile der Niere schädigt. Die akute Form der Erkrankung entsteht häufig als Folge von bakteriellen Infektionen anderer Körperregionen (Hals, Kehlkopf, Mandeln etc.) mit Streptokokken-Erregern. Andere Verlaufsformen haben verschiedene Grunderkrankungen als Ursache. Neben der erwähnten Fehlsteuerung des Immunsystems kommen Diabetes mellitus, eine HIV-Infektion, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch sowie Metallvergiftungen (Quecksilber) in Frage.

Schockniere

Als Schockniere bezeichnet man eine akute Durchblutungsstörung der Nieren bis hin zum Nierenversagen als Folge einer Schockreaktion des Körpers. Hierbei kommt es zur Engstellung der Blutgefäße in der Nierenrinde mit Blutleere (Ischämie). Die normale Nierenfunktion ist hierdurch stark eingeschränkt oder kommt völlig zum Erliegen, mit den Folgen einer Verminderung der Harnmenge und Anstieg von ausscheidungspflichtigen Substanzen im Blut. Es besteht die Gefahr einer Harnvergiftung (Urämie).

Ein so genannter kardiogener Schock, also ein durch Herzschwäche ausgelöster Schockzustand, aber auch eine Verminderung des venösen Rückflusses zum Herzen sind die Hauptursache für eine Schockniere und damit für ein akutes Nierenversagen. Meist normalisiert sich die Nierenfunktion wieder mit der allgemeinen Schockbehandlung, vorübergehend kann eine externe Blutwäsche (Hämodialyse) erforderlich sein. Mit der Erholung geht eine zeitweilige vermehrte Urinproduktion (Polyurie) einher; es wird mehr ausgeschieden, als zum richtigen Wasserhaushalt des Körpers erforderlich ist. In dieser Phase ist auf reichliche Flüssigkeitszufuhr zu achten, um ein innerliches „Austrocknen“ zu vermeiden. Bis zur völligen Wiederherstellung der normalen Nierenfunktion können mehrere Monate vergehen; in dieser Zeit wird der behandelnde Arzt wöchentlich Blutproben entnehmen, um die für die Nierenfunktion relevanten Werte zu kontrollieren und die Häufigkeit der Dialysetermine anzupassen.

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