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Nieren


Die zwei menschlichen Nieren sind ein spiegelbildlich angeordnetes Organ im hinteren Oberbauch, unterhalb des Zwerchfells und außerhalb der Bauchhöhle, eingebettet in eine Kapsel aus Fettgewebe. Sie reinigen das Blut durch Ausscheidung von Abfallstoffen und regulieren Blutdruck sowie den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers.

Die zwei menschlichen Nieren sind ein spiegelbildlich angeordnetes Organ im hinteren Oberbauch, unterhalb des Zwerchfells und außerhalb der Bauchhöhle, eingebettet in eine Kapsel aus Fettgewebe. Sie reinigen das Blut durch Ausscheidung von Abfallstoffen und regulieren den Blutdruck sowie den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers.

Im Querschnitt zeigen die Nieren einen dreischichtigen Aufbau. Die äußere Schicht (Cortex) enthält die Blut verarbeitenden Zellen (Nephrone). Die auszuscheidende Restflüssigkeit (Urin) sammelt sich im trichterförmigen Innenbereich, dem Nierenbecken (Pelvis), von wo aus sie kontinuierlich in die Harnleiter zur Harnblase abfließt. Da die Niere hauptsächlich Blut filtert, hat sie eine starke Blutversorgung; die Nierenarterie zweigt direkt von der Hauptarterie des Körpers, der Aorta, ab. Innerhalb eines jeden Tages (24 h) werden etwa 1.700 Liter Blut durch die Nieren gefiltert.

Die am oberen Rand einer jeden Niere angeordnete Nebenniere (siehe hierzu den separaten Artikel) hat nichts mit der Filterung von Körperflüssigkeiten zu tun, sondern produziert verschiedene lebenswichtige Hormone wie Glukokortikoide (Stoffwechsel) und Mineralkortikoide (Salz- und Wasserhaushalt).

Angeborene Fehlbildungen des Nierensystems gehören zu den häufigsten Fehlbildungen beim Menschen. Sie lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

- numerische Anomalien: Erstens die (seltene) fehlende Anlage beider Nieren beim Neugeborenen (bilaterale Nierenagenesie, Potter-Syndrom). Immer tödlich, da die lebenswichtigen Funktionen nicht ausgeführt werden können. Zweitens die einseitig fehlende Niere bei normaler Ausbildung der Gegenseite (unilaterale Nierenagenesie), oft kombiniert mit weiteren Fehlbildungen im Harnleiter- und Genitalbereich. Meist kann die einseitige Niere dennoch die volle Funktionalität bereitstellen. Drittens die sehr seltene Anlage einer zusätzlichen dritten Niere mit normaler Funktion.

- Lage- und Fusionsanomalien mit erhöhter Anfälligkeit für Funktionsstörungen, Nierensteinbildung und Harnwegsinfektionen: Hierunter fallen Nierenektopie und gekreuzte Nierenektopie (versch. Fehllagen im Bauchraum), die Hufeisenniere (beide Nieren sind miteinander verwachsen) oder die sog. Wanderniere, womit eine abnorme Beweglichkeit der Niere(n) im Bauchraum bei verschiedenen Körperhaltungen bezeichnet wird.
- Anomalien der Nierengefäße: Hiermit sind Fehlausbildungen der Blutversorgung gemeint, wie etwa mehr als eine Nierenarterie, Doppelversorgung einzelner Nierenbereiche oder eine Nierenarterie, die nicht wie üblich aus der Hauptschlagader (Aorta) entspringt.

- Fehlbildungen des Kelchsystems im Inneren der Niere: Hier sind Divertikel (Ausstülpungen) und Megakalikose (Vergrößerung des Kelchsystems durch fehlgebildete Papillen) möglich.
- Fehlbildungen in Größe, Form oder Struktur (Nierendysgenesie).
- Vererbbare (genetisch bedingte) sowie nicht erbliche zystische Nierenerkrankungen. Unter Zysten versteht man hier einzelne, flüssigkeitsgefüllte und von einer Kapsel umgebene Hohlräume im Nierengewebe. Eine einzelne Nierenzyste verursacht meist keine Beschwerden und wird nur als Zufallsbefund bei einer Nierenuntersuchung entdeckt. Die Häufigkeit des Auftretens von Nierenzysten steigt mit dem Lebensalter. Hingegen ist die meist erblich bedingte massive Zystenbildung in den Nieren (Zystenniere) eine der Hauptursachen für chronisches Nierenversagen.

Nierensteine (Nephrolithiasis)

Mit dem Begriff Nierensteine bezeichnet der Mediziner Zusammenballungen (Konkremente) von Stoffen, die durch Auskristallisieren von normalerweise im Urin gelösten Stoffen im Nierenbecken entstehen. Sie variieren in Zusammensetzung und Größe, sie können einzeln oder gehäuft auftreten. Die Ursachen der Nierensteinbildung sind nicht vollständig geklärt, es kommen Faktoren wie erbliche Veranlagung, Ess- und Trinkgewohnheiten (Flüssigkeitsmangel), vermehrter Harnsäurespiegel im Blut (Gicht) oder auch Harnwegsinfektionen sowie verschiedene Stoffwechselerkrankungen in Frage.

Nierensteine können über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben, solange sie keine Symptome verursachen. Je nach Beweglichkeit und Größe können sie jedoch im Nierenbecken verklemmen und dort eine Kolik mit starken, krampfartigen Schmerzen verursachen. Kleine Nierensteine passieren den Harnweg und werden ausgeschieden, sie können sich aber auch im Harnleiter festsetzen und diesen verstopfen, so dass es zum Harnstau mit ähnlichen Krampfschmerzen kommt, in diesem Fall spricht man von einer Harnleiterkolik. Es drohen Komplikationen wie eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder eine Harnvergiftung (Urämie) des Blutes.

Die Behandlung sollte unverzüglich beginnen. Neben einer krampflösenden Schmerztherapie zur Linderung der Symptome geht es darum, die Verstopfung der Harnwege zu beseitigen. Manche Arten von Steinen lassen sich medikamentös auflösen, andere durch Stoßwellentherapie in kleine Krümel zertrümmern, die dann mit dem Harn ausgeschieden werden. Zugang verschafft sich der behandelnde Arzt entweder durch Harnröhre und Harnblase oder durch einen kleinen Hautschnitt in Nierennähe. Auch neuartige endoskopische Laserverfahren kommen in letzter Zeit vermehrt zum Einsatz.

Tumore der Niere

Hier ist zwischen gutartigen Wucherungen (nicht metastasierend) und bösartigen Gewebeveränderungen (metastasierend) zu unterscheiden. Zur erstgenannten Gruppe zählen Onkozytom und (seltener) Angiomyolipom. Da mit zunehmendem Wachstum fast immer eine Gefährdung der Nierenfunktion einhergeht, ist die operative Entfernung der Geschwulst stets angezeigt. Eine sichere Abgrenzung zu bösartigen Wucherungen ist vor allem beim Onkozytom vorab meist nicht sicher möglich; erst während der OP kann entschieden werden, ob hier organerhaltend vorgegangen werden kann oder die ganze Niere entfernt werden muss.

Bösartige Nierentumore sind relativ selten (1-2 % aller bösartigen Tumorerkrankungen). Zumeist handelt es sich hierbei um Nierenzellkarzinome, die ihren Ursprung in jedem Teil eines Nephrons (der kleinen Funktionseinheit einer Niere) haben können. Nierentumore können ihren Ursprung auch in anderen Körperregionen haben (Lungen-, Brust- oder schwarzer Hautkrebs). Genaue Untersuchungen (CT, MRT, histologische Gewebsbestimmung nach Punktion) sowie Größe, Lage und Stadium des Tumors bestimmen das operative Vorgehen. Kleinere Tumore werden zunehmend organerhaltend entfernt, bei großen, differenzierten Wucherungen ist zumeist die Entfernung der ganzen Niere mit Nebenniere, Harnleiter und dem umgebenden Fettgewebe erforderlich.

Entzündungen der Niere

Die häufigste entzündliche Nierenerkrankung ist die akute, bakteriell bedingte Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). In der Regel tritt die Infektion nur einseitig auf. In jüngeren Jahren sind Frauen aufgrund ihrer Anatomie (kurze Harnröhre erleichtert das Eindringen von Erregern in den Harntrakt) häufiger als Männer betroffen, im Alter ist es umgekehrt, da hier bei Männern häufig Prostatawucherungen den Harnabfluss behindern und somit Infektionen begünstigen. Oft ist auch der Harnabfluss durch einen Nierenstein behindert und mit auslösend. Eine allgemein geschwächte Immunabwehr, etwa aufgrund der Behandlung mit Immunsuppressiva oder bei der chemischen Krebstherapie, kann die Infektion ebenfalls begünstigen. Symptome sind heftige Schmerzen in den Nierengegend, Schwellungen des Organs, Fieberschübe und Probleme beim Wasserlassen. Die Diagnose wird aufgrund von Blut- und Urinuntersuchungen gestellt, bildgebende Untersuchungsverfahren sind zusätzlich möglich. Die Behandlung erfolgt zumeist medikamentös mit Antibiotika.

Die chronische Form der Nierenbeckenentzündung kann lange symptomlos verlaufen, führt aber irgendwann zur Beeinträchtigung aller Nierenfunktionen bis hin zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz). Symptome wie Abgeschlagenheit, Urintrübung, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen oder Gewichtsverlust müssen ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Auch hier erfolgt die Behandlung mit auf den Erregertyp abgestimmten Antibiotika, jedoch über einen längeren Zeitraum. Die chronische Form der Erkrankung heilt meist nicht vollständig aus. Bei schwerem Verlauf kommt auch die Entfernung der betroffenen Niere in Betracht. Reichliche Flüssigkeitszufuhr unterstützt den Heilungsprozess und beugt Neuinfektionen vor.

Entzündungen der Nierenrinde (Sammelbezeichnung: Nierenentzündung, Glomerulonephritis) hingegen zählen nicht zu den Harnwegsinfekten, sondern zumeist zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem Teile der Niere schädigt. Die akute Form der Erkrankung entsteht häufig als Folge von bakteriellen Infektionen anderer Körperregionen (Hals, Kehlkopf, Mandeln etc.) mit Streptokokken-Erregern. Andere Verlaufsformen haben verschiedene Grunderkrankungen als Ursache. Neben der erwähnten Fehlsteuerung des Immunsystems kommen Diabetes mellitus, eine HIV-Infektion, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch sowie Metallvergiftungen (Quecksilber) in Frage.

Schockniere

Als Schockniere bezeichnet man ein akutes Nierenversagen als Folge einer Schockreaktion des Körpers. Hierbei kommt es zur Engstellung der Blutgefäße mit Blutleere (Ischämie), Verminderung der Harnmenge und Anstieg von ausscheidungspflichtigen Substanzen im Blut mit der Gefahr einer Harnvergiftung (Urämie). Meist normalisiert sich die Nierenfunktion wieder mit der allgemeinen Schockbehandlung, vorübergehend kann eine externe Blutwäsche (Hämodialyse) erforderlich sein. Mit der Erholung geht eine zeitweilige vermehrte Urinproduktion (Polyurie) einher; es wird mehr ausgeschieden, als zum richtigen Wasserhaushalt des Körpers erforderlich ist. In dieser Phase ist auf reichliche Flüssigkeitszufuhr zu achten, um ein innerliches „Austrocknen“ zu vermeiden.

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