Von Brustkrebs spricht der Mediziner bei bösartigen Veränderungen des Brust(Drüsen)gewebes. Brustkrebs ist hierzulande die häufigste Krebserkrankung der Frau (mit etwa 60.000 registrierten Neuerkrankungen jährlich) und die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Doch auch Männer können an Brustkrebs erkranken, was jedoch in der Praxis viel seltener vorkommt: Nur etwa eine von hundert Brustkrebserkrankungen betrifft einen Mann, meist erst im höheren Lebensalter.
Die Gesamt-Sterblichkeitsrate (Letalität) für alle Brustkrebsvarianten liegt gegenwärtig im Durchschnitt bei etwa 35 Prozent. Diese Zahl mag einerseits ermutigend erscheinen, da sie scheinbar aussagt, dass mittlerweile zwei Drittel aller Brustkrebspatienten die Erkrankung langjährig überleben; andererseits sagt dieser statistische Wert leider überhaupt nichts über die Prognose für jeden Einzelfall aus, und jede Krebserkrankung ist einzigartig, wenn man die Fülle an möglichen Varianten (Tumorformen, Entdeckungsstadien, individuelle körperlich-seelische Verfassung, Therapiemöglichkeiten und Kombinationen) betrachtet. Das auch nur ansatzweise ausführliche Darstellen dieser Formen- und Behandlungsvielfalt bei Brustkrebs würde den Rahmen dieser Kurzübersicht bei weitem sprengen. Daher ist die vertrauliche Erörterung jedes Einzelfalls mit einem (auch mehreren) Fachmedizinern der beste Weg, zu einer realistischen individuellen Prognose zu kommen.
Die genauen Vorgänge, die letztlich dazu führen, dass das Drüsengewebe der Brust entartet, sind noch nicht exakt bestimmt. Es sind mittlerweile aber einige Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs bekannt: Neben -wie immer- Alkohol- und Tabakkonsum sowie Übergewicht scheinen ein früher Beginn der Regelblutungen sowie ein später Beginn der Wechseljahre ein erhöhtes Brustkrebsrisiko darzustellen. Des Weiteren nennt die Fachliteratur eine späte erste Schwangerschaft (als „spät“ wird hier ein Zeitpunkt jenseits des 30. Lebensjahres definiert) oder gänzliche Kinderlosigkeit als begünstigende Faktoren, ebenso wie eine dauerhaft fettreiche Ernährung und eine Einnahme von Präparaten mit weiblichen Hormonen über einen längeren Zeitraum. Auch eine prinzipiell gutartige Verdichtung des Brustdrüsengewebes (Mastopathie) birgt ein höheres Risiko für das Entstehen von Brustkrebs. Etwa fünf Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind erblich (genetisch) bedingt. Wenn es in der Familiengeschichte bereits Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs gegeben hat bzw. gibt, kann es sinnvoll sein, sich auf entsprechende Erbgutveränderungen (BRCA-1 und BRCA-2) testen zu lassen. Bitte mit dem Arzt Ihres Vertrauens besprechen.
Da Brustkrebs im frühen Stadium meist keine Schmerzen oder andere körperliche Beschwerden verursacht, kommt der Erkennung von Auffälligkeiten durch regelmäßige gründliche Selbstuntersuchung der Brust so große Bedeutung zu. Etwa 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen werden hierzulande von den Patientinnen durch Abtasten, Erkennen und Benennen von Anomalien selbst entdeckt. Im Internet finden sich zahlreiche bebilderte Anleitungen zur richtigen Vorgehensweise, auch der Facharzt zeigt gern, wie man die Selbstuntersuchung durchführt – am besten jeden Monat zur selben Zeit. Das Spektrum der ärztlichen Untersuchungen reicht von der Röntgen- und Ultraschalluntersuchung der Brust sowie der benachbarten Lymphknoten im Bereich des Schlüsselbeins und der Achselhöhlen (Mammografie, Sonografie) über Gewebeentnahmen (Biopsie) bis zur Magnetresonanztomografie (MRT). Die labortechnisch analysierten Gewebeproben geben nicht nur Aufschluss darüber, ob tatsächlich entartetes Gewebewachstum vorliegt, sondern auch, um welche genaue Art von Brustkrebs es sich handelt und ob bzw. wie weit der Brusttumor bereits in andere Körperregionen gestreut hat (Metastasierung), denn exakt danach richtet sich auch die Kombination und Reihenfolge der möglichen Therapien. Die Behandlung besteht standardmäßig aus den Komponenten Operation, Bestrahlung, Hormon- und Chemotherapie – die Art, Reihenfolge und Intensität sowie der nachhaltige Erfolg der Therapiekombination sind jedoch absolut vom individuellen Fall abhängig. Relativ neu ist die medikamentöse Immuntherapie, bei der synthetisch hergestellte Abwehrstoffe des Immunsystems eingesetzt werden, um bestimmte Formen von Tumorzellen gezielt anzugreifen. Die operative Totalentfernung der Brust ist heute nur noch selten erforderlich; operationsbedingte Deformierungen lassen sich mittels plastisch-ästhetischer Chirurgie beheben.
Wichtig ist die gewissenhafte Nachsorge mit zunächst quartalsmäßigen, späten halbjährlichen Untersuchungen, um einem Wiederauftreten des Brustkrebses (Rezidivbildung) bestmöglich vorzubeugen. Zur Wiederherstellung des körperlichen Wohlbefindens, seelischen Gleichgewichts sowie der vollen Belastbarkeit nach einer derart schweren Erkrankung gehört natürlich auch das ganze Programm der Anschlussheilbehandlungen (heute: Reha, früher: Kur). Vieles davon zählt nach wie vor auch zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Fragen Sie hartnäckig nach.




