Ihre Gesundheit

Hodenkrebs (Hodenkarzinom)

Hierbei handelt es sich um malignes (bösartiges) Zellwachstum in einem (nur ganz selten in beiden) Hoden des Mannes. Zwar gilt Hodenkrebs hierzulande als seltene Krebserkrankung; es werden jedes Jahr etwa 4.000 Fälle neu registriert. Dennoch ist Hodenkrebs bei jungen Männern zwischen 15 und 40 Jahren die häufigste Krebsform. Ein erstmaliges Auftreten nach dem 40. Lebensjahr ist untypisch und selten. Die allermeisten Hodentumore entstehen aus Keimzellgewebe (denn die Hauptaufgabe der Hoden ist ja die Produktion von Samenzellen, den männlichen Spermien). Der Mediziner unterscheidet beim Hodenkrebs, ob das entartete Gewebe seinen Ursprung allein in den Keimzellen hat (Seminom) oder ob ein Mischtumor verschiedener Gewebearten vorliegt (Nichtseminom). Dies ist von Bedeutung, da sich die Therapiewege für beide Tumorformen unterscheiden.

Warum genau es zur Entartung des Hodengewebes kommt, ist, wie bei den meisten Krebsformen, noch unklar. Es gilt jedoch als gesichert, dass der so genannte Hodenhochstand (Maldescensus testis) ein Risikofaktor für die Entstehung von Hodenkrebs ist; bei dieser pränatalen Fehlbildung ist entweder ein Hoden nicht in den sich ausbildenden Hodensack eingewandert sondern in der Leistengegend verblieben, oder ein Hoden wandert je nach Körperhaltung / Belastung zwischen der Normallage und der Leistenlage hin und her (Pendelhoden). Neben dem Hodenhochstand scheint es auch ein genetisch bedingtes Risiko zu geben, da vielfach über eine familiäre Häufung von Hodenkrebserkrankungen berichtet wird.

Eine auffällige Veränderung der Hoden lässt sich meist schon im Frühstadium durch Abtasten selbst entdecken. Gut geeignet hierfür sind stressfreie Situationen in körperwarmer Umgebung, wenn die wärmeregulierende Muskulatur des Hodensacks vollkommen entspannt ist, also etwa während oder nach einem Wannenbad, nicht aber nach kalter Dusche. Normalerweise hat man(n) ein gutes Gefühl dafür, wie die gesunden Hoden beschaffen sind und sich anfühlen. Wenn Sie jedoch eine ungewohnte Vergrößerung bzw. Verhärtung sehen und ertasten können oder der leichte Druck Missempfindungen (Ziehen, leichter Druckschmerz) verursacht, sollten Sie Ihre Beobachtung beim Facharzt für Urologie (der manchmal auch schon die inoffizielle Zusatzbezeichnung „Männerarzt“ führt, um auf seinen Arbeitsschwerpunkt männerspezifischer Erkrankungen hinzuweisen) abklären lassen. Der Arzt tastet den verdächtigen Bereich ab, durchleuchtet den Hodensack mit einer speziellen Lampe (Diaphanoskopie) und führt eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durch. Erhärtet sich hier der Verdacht, dass eine bösartige Wucherung vorliegt, wird eine Gewebeprobe aus dem Hoden entnommen (Biopsie), Mit der mikrobiologischen Untersuchung dieser Probe lässt sich sicher bestimmen, ob und welche Art eines Hodentumors vorliegt. Bei bestätigtem Verdacht erfolgen auch noch Blutuntersuchungen auf das Vorhandensein spezieller Eiweiße (sog. Tumormarker), die auf mögliche Tochtergeschwülste (Metastasen) in entfernten Körperregionen hinweisen. Zeigen sich Tumormarker, schließt sich das große bildgebende Untersuchungsprogramm für den ganzen Körper (Röntgen, CT, MRT etc.) an.

Die Therapie richtet sich individuell nach Art und Stadium des Hodenkrebses. Wenn wir den günstigsten Fall betrachten, ist der Tumor allein auf den Hoden beschränkt, hat noch nicht ins Lymphsystem gestreut und keine entfernten Organe oder Knochen besiedelt. In aller Regel wird der behandelnde Arzt zur operativen Entfernung des betroffenen Hodens samt Nebenhoden und Samenstrang raten. Dabei bleibt die Zeugungsfähigkeit i.d.R. erhalten, da der zweite Hoden die Funktionen übernimmt. Bei der OP wird auch aus dem zweiten Hoden eine Gewebeprobe entnommen, um einen (seltenen) beidseitigen Befall auszuschließen.

Die weitere Behandlung nach der OP hängt wiederum vom individuellen Fall ab: Wurde ein Hodentumor im Frühstadium entfernt, reichen oft regelmäßige Nachkontrollen in kurzen Zeitabständen aus, um eine eventuelle Neubildung (Rezidiv) zu entdecken. Bei Ausbreitung in die Lymphgefäße erfolgt zusätzlich eine Bestrahlung der relevanten Lymphbahnen und Lymphknoten, um die entarteten Zellen zu zerstören und so die weitere Ausbreitung zu stoppen. Bei Mischtumoren (Nichtseminomen), die nicht so sensibel auf eine Strahlentherapie reagieren, kommt schubweise eine abgestimmte Chemotherapie zur Anwendung, wobei mit den bekannten Nebenwirkungen (temporärer Haarverlust, Übelkeit, Störungen des Blutbildes und der Nierenfunktion etc.) zu rechnen ist. Hier hat es allerdings in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gegeben, so dass die Begleitsymptomatik bei richtiger Zusammenstellung nicht mehr so schwerwiegend ist wie früher.

Verglichen mit anderen Krebsformen weist Hodenkrebs eine insgesamt günstige Prognose auf, bei im Frühstadium entfernten Tumoren liegt die Heilungsrate bei über 95 Prozent. Doch auch spätere Stadien mit Befall des Lymphsystems zeigen im Vergleich einen eher günstigen Verlauf. Bezüglich der Zeugungsfähigkeit und eines Kinderwunsches sollte vor der OP mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, ob eine Entnahme und Einlagerung von Sperma sinnvoll ist, um, falls nach Abschluss der gesamten Therapie doch eine Unfruchtbarkeit eintritt, durch eine künstliche Befruchtung Kinder bekommen zu können.

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