Ihre Gesundheit

Pocken

Die Pocken, auch als echte Pocken (zur Unterscheidung von den vergleichsweise harmlosen Windpocken als Kinderkrankheit) oder altertümlich als Blattern bezeichnet, sind eine lebensgefährliche und hoch ansteckende Infektionskrankheit, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) allerdings seit 1980 als ausgerottet bezeichnet wird, da ein weltweites Impfprogramm Wirkung zeigte. Die letzten Erkrankungen wurden in den frühen 70er Jahren registriert. Erreger der Krankheit ist das Orthopoxvirus vom Stamm der Poxviridae; diese Viren kommen in der Natur nur beim Menschen vor und können auch nur durch ihn vermehrt und weiter gegeben werden, meist durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Niesen oder Husten. Derzeit lagern offiziell nur noch in staatlichen Laboren der USA und Russlands Bestände an Pockenviren, um diese im unwahrscheinlichen Fall eines Wiederauftretens der Krankheit zur Herstellung neuen Impfstoffs nutzen zu können. Darüber hinaus haben einige Länder noch Lagerbestände von etlichen Millionen Dosen Impfstoff, so auch Deutschland.

Die Erkrankung beginnt durchschnittlich zwei Wochen nach der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Rücken- und Gliederschmerzen sowie einer Entzündung der Atemwege. Diese Symptome halten zwischen zwei und fünf Tagen an, es zeigt sich auch ein erster Hautausschlag mit kleinen roten Punkten, beginnend auf der Zunge und im Rachenbereich. Nach einem kurzen Fieberabfall zeigen sich dann an Kopf, Armen und Beinen, weniger stark am Rumpf, schnell die typischen Hautveränderungen in Form größer werdender Erhebungen (Papeln), die sich mit virushaltiger Flüssigkeit füllen. Gleichzeitig tritt hohes Fieber mit Verwirrtheitszuständen auf. Bei der schweren Verlaufsform (schwarze Pocken) kommt es zu großflächigen Einblutungen in die Haut sowie zu Blutungen von Schleimhäuten und inneren Organen, was tödlich enden kann: Die Sterblichkeitsrate bei schwerem Verlauf liegt bzw, lag bei etwa 30 Prozent. Die flüssigkeitsgefüllten Papeln verändern sich bald zu Eiterbläschen (Pusteln), die wiederum nach einigen Tagen eintrocknen (verschorfen) und schließlich abfallen, was mit starkem Juckreiz verbunden ist. Oft bleiben vernarbte Hautpartien (sog. Pockennarben) zurück. Eine weniger schwer verlaufende Form der Erkrankung, die sog. weißen Pocken (Variola minor) zeigt einen nicht ganz so massiven Hautbefall.

Pockenviren sind größer als die meisten anderen Virenstämme und lassen sich im Labor relativ leicht diagnostizieren, indem eine aus Papeln oder Pusteln entnommene Probe mikroskopisch betrachtet wird. Der Arzt kann die Diagnose aber schon aufgrund der eindeutigen Symptomatik (Hautveränderungen, hohes Fieber) stellen. Eine ursächliche Therapie (Bekämpfung des Pockenvirus im menschlichen Körper) ist nicht möglich: Antibiotika wirken bekanntermaßen gegen Bakterienstämme, nicht aber gegen Viren. Aus der Gruppe virenhemmender Medikamente (Virostatika) ist nach Kenntnis der Redaktion bislang kein Präparat auf seine Wirkung gegen Pockenviren getestet worden, einfach deshalb, weil kein aktueller Bedarf besteht. Die Behandlung von Pockenkranken besteht bzw. bestand daher neben der sorgfältigen Isolation des Krankenzimmers (Quarantäne) wegen der hohen Verbreitungs- bzw. Ansteckungsgefahr vor allem in symptomlindernden Maßnahmen wie Bettruhe, fiebersenkenden Medikamenten, reichlicher Flüssigkeitszufuhr und kräftigender Ernährung. Nach Ausheilung der Pockenerkrankung bleiben bei vielen Betroffenen deutliche Narben zurück; durch Komplikationen sind auch Hirnschädigungen und Erblindung möglich.

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