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Ihre Gesundheit

Nierenrindenentzündung (Glomerulonephritis)

Die zwei Nieren des Menschen enthalten jeweils ungefähr eine Million der so genannten Glomeruli als Bestandteil eines jeden Nierenkörperchens (Corpusculum renale). Ein Nierenkörperchen bildet zusammen mit seinen Nierenkanälchen (Tubuli) eine Funktionseinheit der Niere, das Nephron.
Die etwa 0,3 mm großen und kugelförmigen Glomeruli bestehen aus einem Knäuel von kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren. Über die Wand der Kapillaren wird das Blut durch Filtration von Stoffwechselendprodukten befreit. Dabei wird innerhalb von 24 Stunden die gesamte menschliche Blutmenge über 50 mal gereinigt. Wenn diese essentielle Nierenfunktion nicht (mehr) ausreichend gegeben ist, muss die Aufgabe der Glomeruli von einem externen Gerät zur Dialyse (Blutwäsche) übernommen werden.
Bei einer Entzündung der besagten Nierenglomeruli spricht der Mediziner von einer Glomerulonephritis, von der verschiedene Formen unterschieden werden:
Die akute Glomerulonephritis tritt zumeist spontan auf, häufig nach Infektionen mit bestimmten Bakterientypen (Streptokokken). Diese Form der Nierenentzündung ist auch unter den Namen “akutes nephritisches Syndrom” und “postinfektiöse Glomerulonephritis” bekannt.
Bei der rasch progressiven Glomerulonephritis (RPGN) kommt es infolge eines besonders schweren Entzündungsvorgangs zur Zellwucherung, welche die Glomeruli innerhalb von Tagen bis Wochen zerstören kann: Die Nierenfunktion verschlechtert sich bis hin zum völligen Nierenversagen, welches stets einen medizinischen Notfall darstellt, der unbehandelt zum Tod führt.
Eine chronische Glomerulonephritis ist eine Form der Nierenentzündung, die sich über Jahre bis Jahrzehnte entwickelt. Als Folge kommt es zunehmend zur Verschlechterung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) bis hin zum Nierenversagen. Die chronische Glomerulonephritis wird auch als “chronisches nephritisches Syndrom” und “proteinurisches Syndrom” bezeichnet.
Beim nephrotischen Syndrom können sich unterschiedliche Beschwerden zeigen: Die Betroffenen verlieren Eiweiße über den Urin (Proteinurie), es sammelt sich Wasser im Gewebe an (Ödeme) und die Blutfettwerte steigen. Das nephrotische Syndrom kann die Niere dauerhaft schädigen.
Medizinisch wird auch zwischen einer primären und sekundären Glomerulonephritis unterschieden; die erstgenannte Form ist eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Ursache noch nicht erforscht ist. Dagegen ist eine sekundäre Glomerulonephritis die Folge einer Grunderkrankung außerhalb der Niere: Dies können beispielsweise Infektionen, andere Autoimmunerkrankungen, Diabetes, eine HIV-Infektion oder Drogen- bzw. Medikamentenmissbrauch sein.
Während sich bei der akuten Form einer Glomerulonephritis körperlich deutlich spürbare Symtome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- bzw. Bauchschmerzen sowie Wasseransammlunegn im Gewebe (Ödeme) zeigen können, sind die chronischen Formen der Erkrankung im frühen Stadium zumeist nur durch Blut- und Urinuntersuchungen nachweisbar. Es zeigen sich Blutbestandteile im Urin (Hämaturie) oder es werden Eiweiße ausgeschieden (Proteinurie). Bei größeren Beimengungen sind diese bereits mit bloßem Auge an einer Dunkelfärbung des Urins (Blut) oder einer Trübung (Eiweiß) erkennbar. Im Blut ist der Nierenfaktor Kreatinin diagnostisch von Bedeutung. Deuten die Laborbefunde auf eine Nierengewebsentzündung hin, wird der behandelnde Facharzt (Nephrologe) weitere Untersuchungen wie etwa eine Nierensonografie (Ultraschall) oder eine Entnahme von Nierengewebe (Punktion) durchführen.
Die Therapie einer Glomerulonephritis richtet sich danach, welche Form der Nierengewebsentzündung besteht und ob diese einen akuten oder chronischen Verlauf hat. Die akute Form wird mit Antibiotika behandelt, zusätzlich kommen entwässernde Medikamente (Diuretika) gegen Ödeme sowie Mittel gegen eventuell erhöhten Blutdruck zur Anwendung. Bei den chronischen Formen geht es neben der Milderung der beschriebenen Begleitsymptome vor allem darum, den Entzündungsprozess an sich in den Griff zu bekommen: Hierzu werden sowohl entzündungshemmende Präparate mit dem Wirkstoff Methylprednisolon als auch Medikamente, die die Funktion des Immunsystems abschwächen (Wirkstoff Cyclophosphamid) verabreicht. Ernährungsgewohnheiten sollten überprüft und ggfs. angepasst werden (angepasste Flüssigkeitszufuhr, eiweißarme Kost). Die chronischen Verlaufsformen sind zumeist nicht ursächlich heilbar, so dass die Therapie darauf abzielt, die Nierenfunktion über einen möglichst langen Zeitraum soweit stabil zu halten, dass keine Dialyseabhängigkeit eintritt. Sind die Nieren durch Krankheitsfortschritt so stark geschädigt, dass die Filterleistung nicht mehr ausreicht, wird die regelmäßige externe Blutwäsche (Dialyse) zur Entfernung giftiger Stoffwechselendprodukte lebensnotwendig. Alternativ kann der behandelnde Arzt eine Nierentransplantation vorschlagen und die Betroffenen auf die Warteliste für ein Spenderorgan setzen.

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