Ihre Gesundheit

Haarausfall (Effluvium capillorum)

Jeder Mensch ist am ganzen Körper behaart, verliert täglich Haare und produziert neue. Während uns die Behaarung am Körperrumpf sowie an Armen und Beinen meist wenig interessiert, ja oftmals gar als störend empfunden und regelmäßig rasiert wird, richtet sich auf die Kopfbehaarung unsere volle Aufmerksamkeit. Volles, glänzendes, „gesund“ aussehendes Haupthaar gilt in vielen Kulturen als wichtiges Schönheitsideal, schüttere Behaarung wird mit Mangel, Alter und Krankheit assoziiert. Es ist zwar richtig, dass der Verlust der Kopfbehaarung ein Symptom verschiedener Krankheiten sein kann; der Haarausfall selbst ist jedoch kein medizinisches, sondern ein primär kosmetisches Problem – womit nicht verharmlost werden soll, dass das Selbstbild / Selbstwertgefühl der Betroffenen ganz erheblich unter dem Haarverlust leiden kann. Somit besteht auch eine wichtige psychologische bzw. soziale Komponente.

Der Mensch trägt normalerweise um die 100.000 Kopfhaare mit sich herum, die genaue Anzahl kann je nach Herkunft, Haarfarbe und -Dicke zwischen 90.000 (rötlich, dick) und 150.000 (blond, fein) Haaren schwanken. Da der Haarwuchs in einem fortwährenden Erneuerungsprozess steht (ein Kopfhaar wird maximal 4-6 Jahre alt) ist es auch völlig normal, dass täglich Haare ausfallen, so wie die aktiven Haarwurzeln ständig wieder neue Haare bilden. Viele wissen auch nicht, dass der sichtbare Teil des Haares lediglich totes Horngewebe ist, der biologisch aktive Prozess des Haarwuchses findet nur in der Haarwurzel statt. In diesem ständigen Werden und Vergehen gilt ein Verlust von bis zu 100 Kopfhaaren täglich als normal, manche Quellen nennen auch größere Zahlen. Wann man im individuellen Fall von erhöhtem Haarausfall sprechen kann, hängt davon ab, wie aktiv der Erneuerungsprozess läuft. So kann jemand ständig viele Haare verlieren und trotzdem volles Kopfhaar haben, während ein Anderer nur ganz wenige Haare im Kamm findet und dennoch ein Haarverlust am Kopf sichtbar ist, einfach deshalb, weil die Neubildung stark reduziert ist.

Der sehr allgemeine Begriff des Haarausfalls ist wenig geeignet, die Ursache(n) in jedem individuellen Fall einzugrenzen, denn es gibt eine Fülle von möglichen Gründen für zeitweiligen, permanenten, regional begrenzten oder diffus verteilten Verlust der Kopfbehaarung. Da bisher längst nicht alle Ursachen und Wirkmechanismen genau bekannt sind -hinzu kommt oft irrationales, ja panisches Verhalten der Betroffenen- wuchert hier ein ganzer Wirtschaftszweig an wundersamen Heilmethoden und Mittelchen: Medikamente, Kosmetika, Geräte, Heiler etc. Leider sind die allermeisten Mittel und Methoden nach wissenschaftlichen Kriterien absolut wirkungslos, wie u.a. Stiftung Warentest in mehreren Untersuchungen feststellte. Wenn Einzelne von phantastischen Heilerfolgen berichten, wird deren positives Denken dazu maßgeblich beigetragen haben.

Das bisher Gesagte soll aber keinesfalls den Anschein erwecken, dass man gegen Haarausfall generell nichts machen könne. Dem ist natürlich nicht so. Der richtige Ansprechpartner ist der Facharzt für Dermatologie, denn die Körperbehaarung fällt in dieses medizinische Aufgabenfeld. Die Kunst des Mediziners besteht nun darin, durch Befragung zu Vorgeschichte und Lebensgewohnheiten des Patienten sowie durch verschiedene Blut- und ggfs. genetische Untersuchungen die Fülle an möglichen Ursachen für den Haarverlust einzugrenzen: Liegt eine Grunderkrankung (z.B. Stoffwechsel- oder Hormonstörung, Diabetes, Morbus Crohn etc.) vor, wie ist die familiäre Disposition, welche Medikamente werden gerade eingenommen, bestehen Mangelerscheinungen? Auch das Geschlecht und Alter spielt eine maßgebliche Rolle, denn die Formen und Ursachen des Haarausfalls bei Frauen und Männern können völlig verschieden sein. Erst wenn die Ursachenvielfalt und Art des Haarausfalls klar eingegrenzt sind, kann mit exakt auf diesen Fall abgestimmten Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen versucht werden, dem Haarverlust entgegen zu wirken. Die angesprochene Vielfalt an möglichen Ursachen und daran orientierten Behandlungswegen macht es uns im Rahmen dieser Kurzvorstellung des Krankheitsbildes unmöglich, sie alle detailliert aufzulisten und zu erläutern. Daher hier nochmals unsere Empfehlung: Wenn Sie der Meinung sind, übermäßig viel Haupthaar zu verlieren, machen Sie sich nicht verrückt, sondern suchen Sie den vertrauensvollen Dialog mit dem Facharzt. Viele Dermatologen und Kliniken bieten als Interessenschwerpunkt explizit eine Haarsprechstunde an.

Kommentar verfassen