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Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung)

Unter diesem Begriff versteht man eine Verletzung des Kniegelenks, bei der die Kniescheibe (Patella) aus ihrer v-förmigen knöchernen Führungsrinne am Oberschenkelknochen zur Außenseite heraus springt. Dabei kommt es häufig zu weiteren Verletzungen der Bänder auf der Innenseite des Kniegelenks sowie von Knochen und / oder  Knorpelgewebe an Kniescheibe und Oberschenkelknochen. In der Regel ist die plötzliche Verrenkung der Kniescheibe mit ebenso spontan einsetzenden heftigen Schmerzen verbunden, die zusammen mit dem Schreckempfinden bei sensiblen Patienten einen Schockzustand mit Kreislaufproblemen und Ohnmacht hervorrufen können. In vielen Fällen gelingt es den Betroffenen unmittelbar, die Kniescheibe wieder in ihr vorgesehenes Lager zurück zu bewegen; hierbei renkt sich die Patella bei einer unbewussten oder gezielten Drehbewegung des Kniegelenks wieder ein (spontane Reposition).

In der medizinischen Praxis zeigen sich die folgenden Risikofaktoren für das Auftreten einer Kniescheibenverrenkung: Jugendliches Alter, weibliches Geschlecht, schlanker Körperbau, sportlich aktiv. Daneben sind Faktoren wie eine allgemeine Bindegewebsschwäche, Fehlstellungen der Beinknochen („X-Beine“), eine nicht richtig ausgebildete Streckmuskulatur des Oberschenkels sowie genetisch (familiär) bedingte Fehlbildungen der Kniescheibe oder ihres Gleitlagers. Ebenso wird danach unterschieden, ob die Verrenkung erstmals (Erstluxation) oder als Wiederholungsfall (rezidivierende Luxation) auftritt und ob dies die Folge eines Unfalls, also einer unmittelbaren Gewalteinwirkung von außen durch Sturz, Schlag bzw. Anprall ist (traumatische Luxation), oder ob die Kniescheibe ohne äußere Gewalteinwirkung nur durch eine (ungünstige) Drehbewegung des Knies heraus sprang (habituelle Luxation).

Beim Arzt lässt sich die Kniescheibenverrenkung schon durch das äußere Erscheinungsbild mit der seitlichen Verschiebung sicher diagnostizieren. Die erste Sofortmaßnahme ist die Reposition der Kniescheibe bei Streckung des Kniegelenks und gleichzeitiger Beugung des Hüftgelenks zur Entspannung der Oberschenkelmuskulatur. Bei sehr starken Schmerzen und Verkrampfung des Patienten ist ggf. eine intravenöse Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln vor der Reposition erforderlich. Auch wenn die Kniescheibe sich bereits von selbst repositioniert hat, ist die ärztliche Untersuchung absolut geboten um die Art und Schwere möglicher Begleitverletzungen, wie etwa Schädigungen der Bänder oder Absplitterungen von Knochen- und Knorpelgewebe, festzustellen. Häufig bildet sich ein großer schmerzender Bluterguss (Hämathros), dessen Abbauprodukte über Wochen sichtbar bleiben. Ist ein solcher Kniegelenkserguss sicht- bzw. tastbar, sollte eine Punktion (Absaugung) des Kniegelenks durchgeführt werden. Dies wirkt schmerzlindernd durch Druckentlastung; außerdem kann das in das Gelenk ausgetretene Blut auch schädigend auf die Knorpeloberfläche wirken und sollte schon deshalb aus dem Gelenk entfernt werden. Ein solcher Bluterguss ist auch immer ein Indiz für weitere Verletzungen. Der behandelnde Arzt wird daher Röntgenbilder des Knies aus verschiedenen Sichtwinkeln (Ebenen) anfertigen sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT, „Kernspin“) durchführen, um alle möglichen Schäden im Detail zu erkennen.

Nach einer erstmaligen Patellaluxation liegt das Risiko für das erneute Auftreten einer derartigen Verletzung bei etwa 30% und steigt mit jeder weiteren Luxation weiter an. Jede Patellaluxation ist eine ernste Verletzung des Kniegelenks mit dem erwähnten Risiko von Knorpelverletzungen und der Ausbildung von Vernarbungen infolge einer Entzündungsreaktion. Die konservative Behandlung erfolgt durch Ruhigstellung des gestreckten Kniegelenks mit einer Schiene (Orthese) für mehrere Wochen. Bei angelegter Schiene ist auch eine maßvolle Belastung des verletzten Beines möglich.

Kommt es jedoch bald zu einer erneuten Verrenkung der Kniescheibe, sollte eine Operation zu ihrer Stabilisierung erfolgen, besonders bei sportlich Aktiven oder Menschen mit beruflich bedingter Belastung der Kniegelenke. Hier unterscheidet man Eingriffe an den Bindegeweben von Eingriffen am Knochen. Welche Operation im Einzelfall notwendig bzw. sinnvoll ist, entscheidet sich nach dem jeweiligen Befund, wozu auch eine Vermessung der Beinachsen gehört. Auch die weitere Behandlung (Physiotherapie mit Training der Oberschenkelmuskulatur) richtet sich nach der angewandten Operationsmethode.

Langfristig besteht auch bei optimaler Behandlung einer Patellaluxation die Gefahr einer Schädigung der Knorpelflächen von Kniescheibe und ihrer Gleitrinne am Oberschenkel, was irgendwann zu vorzeitigem Verschleiß des Gelenks zwischen Kniescheibe und Oberschenkel (retropatellare Arthrose) führt. Ziel aller Behandlungen ist also, diese Verschleißerscheinungen zu vermeiden bzw. möglichst lange hinauszuzögern und somit eine schmerzfreie Funktion des Kniegelenks dauerhaft zu erhalten.

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