Ihre Gesundheit

Hausstauballergie

Wenn man von einer Hausstauballergie spricht, ist damit primär nicht ein gesteigertes Sauberkeitsverlangen oder eine ekelartige Abscheu vor dem normalen Staubanfall im Haushalt gemeint. Nein, die so genannte Hausstauballergie muss korrekterweise als Hausstaubmilbenallergie oder als Schimmelpilzsporenallergie bezeichnet werden.

Hausstaub fällt in geschlossenen Räumen ständig an und ist ein Gemisch verschiedenster Stoffe: Enthalten sind etwa Fasern / Abrieb von Kleidung, Heimtextilien und Möbelstoffen, Essenkrümel, Pflanzenteilchen, Mineralkörnchen (abbröselnder Putz bzw. von draußen hereingetragen), Haare und Hautschuppen von Mensch und Tier sowie Bakterien, Viren und Schimmelpilzsporen. Der Mensch als Hausbewohner produziert also selbst ständig Staubpartikel und verteilt diese durch die ganz normalen Bewegungsabläufe überall im Haus. Ebenso ist es unvermeidlich, dass ständig Staubpartikel eingeatmet werden. Auch Schadstoffpartikel in der Raumluft (Ausdünstungen wie Lösungsmittel aus Farben, Weichmacher aus Teppichböden, Druckerpartikel etc.) binden sich zumeist an Teichen des Hausstaubs.

Hausstaub – ein potentieller Allergieauslöser Foto: Olga Meier-Sander/pixelio.de

Daneben gibt es eine ganze Reihe von mikroskopisch kleinen Organismen, denen Hausstaubpartikel als Nahrung dienen, nämlich bestimmte Bakterien, Schimmelpilze und Milben. Milben sind 0,2 bis 0,5 mm große Spinnentierchen, die eine Lebenszeit von maximal 100 Tagen haben und sich fortlaufend massenhaft vermehren. Milben und Schimmelpilze haben eine Bedeutung als Auslöser allergischer Reaktionen beim Menschen. Schimmelpilze finden sich im Haushalt etwa in der Erde von Zimmerpflanzen und / oder beim Schimmelbefall von Wand- und Möbelflächen infolge eines ungünstigen Verhältnisses von Feuchte der Raumluft, Temperatur und Lüftung. Hausstaubmilben leben vorwiegend im Bettbereich (Matratze, Bettdecke und Kopfkissen), aber auch in Polstermöbeln und Teppichen.

Die allergenen (eine Allergie auslösenden) Stoffe sind bei Schimmelpilzen deren Samenkapseln (Sporen) und bei den verschiedenen Arten von Hausstaubmilben deren Exkremente, also der Milbenkot. Sowohl Schimmelsporen als auch Milbenkot sind also Bestandteile des Hausstaubgemischs, werden ständig herumgewirbelt und eingeatmet. Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf diese Substanzen; allein in Deutschland sind geschätzte 10 Millionen Menschen Hausstauballergiker. Eine solche Allergie als überschießende Reaktion des menschlichen Immunsystems, welches irrtümlicherweise meint, gefährliche Krankheitserreger abwehren zu müssen, macht sich durch die bekannten Symptome bemerkbar; hierzu zählen der allergische Schnupfen mit dünnflüssigem Schleim und Niesanfällen, Husten, tränende bzw. juckende Augen sowie Hautirritationen wie Rötung, Schwellungen und Quaddelbildung. Bei länger bestehender Allergie kann sich aus dem Schnupfen durch einen so genannten Etagenwechsel auch ein allergisches Asthma entwickeln.

Typisch für die Hausstauballergie ist, dass die Beschwerden einerseits ganzjährig bestehen, aber innerhalb eines Tages besonders nachts und am frühen Morgen, nach dem Aufstehen besonders ausgeprägt sind. Ferner lässt sich meist eine Verschlimmerung während der winterlichen Heizperiode beobachten, wenn durch das Beheizen die Raumluft tendenziell trockener wird und somit die Lebensbedingungen für die Milbenpopulation schlechter werden. Als Folge sterben jetzt viel mehr Tiere ab als während der Jahreszeiten mit höherer Raumfeuchte; deren zerfallende Körper setzen massenhaft allergene Partikel frei.

Um die Allergie genau zu bestimmen, sind verschiedene Tests beim Arzt Ihres Vertrauens erforderlich, viele Dermatologen etwa beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Allergologie. Die einfachste und schnellste Testmethode ist der bekannte Prick-Test, bei dem wässrige Lösungen verschiedener Allergene auf die Haut des Unterarms getropft und anschließend angeritzt werden. Bei allergischer Reaktion zeigt sich nach wenigen Minuten eine mehr oder minder starke Rötung und Schwellung der betreffenden Hautstelle. Ergänzt werden kann dieser Test durch einen so genannten Provokationstest, bei dem ein Aerosol mit dem vermuteten Allergen in die Nase gesprüht wird. Die allergische Reaktion hierauf kann bei der „richtigen“ Substanz durchaus heftig sein, so dass der behandelnde Arzt ggfs. mit einem Antiallergikum gegensteuern muss. Bestätigt werden die vorgenannten Tests dann durch eine Blutuntersuchung auf das Vorhandensein typischer Antikörper.

Akute Symptome der Hausstauballergie lassen zwar sich mit antiallergischen Medikamenten (Antihistaminika) in verschiedenen Darreichungsformen abmildern, dies stellt jedoch keine Dauerlösung dar. Für eine dauerhafte Besserung der Beschwerden muss die Belastung der Wohnräume durch Milbenkot (bzw. Schimmelpilzsporen) deutlich vermindert werden. Bei der Milbenbekämpfung sollte das Hauptaugenmerk auf dem Bett liegen, da dort die meisten Milben leben. Möglicherweise sind Matratze und Bettdecke sowieso schon etwas älter; dann sollte man nicht zögern, diese zu entsorgen und sich vor dem Neukauf genau beraten lassen, welche Materialien von Matratze und Bettdecke für Allergiker geeignet sind, also Material- und Aufbaueigenschaften haben, die die Milbenvermehrung hemmen. Optimieren lässt sich die Bettausrüstung mit allergendichten Bezügen für Matratze, Bettdecke und Kissen, diese müssen jedoch für Wasserdampf durchlässig sein. Das Wechselintervall der Bettwäsche sollte man verkürzen und die Textilien bei mindestens 60 Grad waschen. Außerdem bietet der Markt verschiedenste Milbensprays auf natürlicher und synthetischer Basis an, die Wirksamkeit derartiger Präparate wurde in bisherigen Tests aber eher verhalten bewertet (mäßige bis fehlende Wirksamkeit).

Eine weitere Möglichkeit, mit Schimmelpilzsporen und Milbenkot besser zurecht zu kommen, bietet die Methode der Hypo- oder Desensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt. Hierbei wird versucht, durch langsam steigende Dosierung einer unter die Haut gespritzten Allergenlösung das irritierte Immunsystem wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Die Methode hat bei Pollen- und Insektengiftallergikern eine beachtliche Erfolgsquote von über 60 Prozent und wird seit einiger Zeit auch vermehrt bei Hausstauballergikern eingesetzt. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt auch nach dieser Möglichkeit.

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