Hier geht es zum GewinnspielGewinnspiel
Ihre Gesundheit

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – Typ 1 und 2

Unter diesem Begriff werden verschiedene Erkrankungen des menschlichen Stoffwechsels zusammen gefasst, denen als Hauptsymptom eine Überzuckerung (Hyperglykämie) des Blutes gemein ist. Der medizinische Begriff Diabetes mellitus besteht aus dem griechischstämmigen Wort Diabetes („Durchfluss“) sowie dem nachfolgenden lateinischen Adjektiv mellitus („honigsüß“) und beschreibt die Anreicherung von nicht verarbeitetem Zucker (Glucose) im Urin als eine Folge der Stoffwechselstörung.

Glucose (auch als Traubenzucker oder Dextrose bezeichnet) ist als Einfachzucker ein Bestandteil dessen, was wir gemeinhin unter „Zucker“ verstehen, nämlich Saccharose. Diese ist aber ein aus zwei Bestandteilen zusammengesetzter Zucker (Zweifachzucker); sein anderer Bestandteil ist Fruchtzucker (Fructose). Für den menschlichen Körper ist Glucose ein essentiell wichtiger Energielieferant, der ständig vom Gehirn sowie von Muskel- und Fettzellen benötigt wird. Der gesunde Körper hält den Zuckerspiegel im Blut über den Tag verteilt in einem Bereich von etwa 80 bis 120 Milligramm pro Deziliter (mg/dl).

Glucose gelangt einerseits über die Nahrungsaufnahme in den Körper – und zwar nicht nur durch Verzehr von zuckerhaltigen Speisen und Getränken: Der Körper baut durch die Verdauungsvorgänge auch die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate (etwa aus Früchten, Getreideprodukten, Kartoffeln, Reis usw.) zu Glukose ab, die anschließend über die Darmwand in das Blut übergeht und somit im gesamten Körper zur Verfügung steht. Andererseits speichert und produziert der Mensch in der Leber sowie in geringerem Umfang in der Nierenrinde mit einem komplexen chemischen Umwandlungsprozess ständig selbst Glucose (Gluconeogenese), so dass der Blutzuckerspiegel normalerweise auch bei längerer Nichtzufuhr nie unter 60 mg/dl absinkt.

Damit nun aber Glucose im Körper verstoffwechselt werden kann, braucht es einen chemischen Vermittler,das Insulin. Hierbei handelt es sich um ein Hormon, welches ständig von bestimmten Zellen in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Insulin macht also erst die Aufnahme von Glucose in die Körperzellen und dort den Verbrauch zur Energiegewinnung (Glykolyse) möglich. Außerdem ist Insulin das einzige menschliche Hormon, das für den Aufbau und die Einlagerung von Körperfett sorgt.

Beim Krankheitsbild Diabetes sind nun die beschriebenen Stoffwechselvorgänge krankhaft gestört: Entweder produziert die Bauchspeicheldrüse aus diversen Gründen weniger oder gar kein Insulin mehr, so dass das Hormon dauerhaft von außen zugeführt werden muss; dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Diabetes vom Typ 1. Bei der anderen Variante der Krankheit produziert die Bauchspeicheldrüse entweder zuviel Insulin und / oder die Körperzellen sprechen nur vermindert auf Insulin an (Insulinresistenz), so dass im Ergebnis die Glucose nur unzureichend verarbeitet werden kann; dies wird als Diabetes vom Typ 2 bezeichnet. Von allen Diabetespatienten in Deutschland (etwa sieben Millionen bekannte Fälle) sind über 90 Prozent jene vom Typ 2. Während die Typ 1-Variante sich zumeist bereits im Kindes- bis Jugendalter zeigt, entwickelt sich der Typ 2 typischerweise erst in der zweiten Lebenshälfte, woher auch die mittlerweile aber überholte Bezeichnung „Altersdiabetes“ stammt. Hier zeigt die Entwicklung der letzten Jahre nämlich eine Verschiebung hin zum Beginn in jüngeren Lebensphasen, wofür in erster Linie Faktoren wie falsche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel verantwortlich gemacht werden.

Die gesamte Palette möglicher Ursachen von Diabetes ist noch nicht vollständig geklärt: Beim Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, für die als Auslöser genetische Veränderungen sowie bestimmte Virusinfektionen in Frage kommen. Das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper, wobei in diesem Fall so genannte Inselzellantikörper nach und nach die Insulin bildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören, wodurch die körpereigene Insulinproduktion irgendwann gegen Null sinkt. Das Insulin muss dann lebenslang von außen (durch Infusionen) zugeführt werden. Beim Typ 2 ist neben einer genetischen Veranlagung vor allem Übergewicht der Hauptrisikofaktor bzw. die Hauptursache für die Entwicklung des Krankheitsbildes, bei dem das produzierte Insulin von den Körperzellen nur noch unzureichend aufgenommen wird, weil diese in ihrer Empfindlichkeit für das Hormon „abstumpfen“. Neben diesen beiden Hauptformen von Diabetes existieren noch eine Reihe von Sonderformen der Erkrankung sowie jene Fälle, die durch eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse selbst bedingt sind.

Allgemeine Symptome, die auf eine Diabeteserkrankung hinweisen können sind Energiedefizite (Abgeschlagenheit), starkes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen mit Vermehrung der täglichen Urin-Gesamtmenge von normalen 2 Litern auf bis zu 5 Liter, Heißhungerattacken, Juckreiz, Sehstörungen sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte. Tückischerweise kann aber gerade Diabetes vom Typ 2 auch lange Zeit völlig beschwerdefrei bestehen und erst im Rahmen einer routinemäßigen Blutuntersuchung erkannt werden – oder sich schließlich durch das Eintreten von gravierenden Folgeschäden bemerkbar machen. Hierzu zählen vor allem Erkrankungen der Nieren (diabetische Nephropathie), der Nerven (diabetische Neuropathie), der kleinen Blutgefäße (diabetische Mikroangiopathie) sowie der Netzhaut der Augen (diabetische Retinopathie). Diabetes begünstigt außerdem die Entstehung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose), womit eine Erhöhung des Risikos für Herzinfarkt und Schlaganfall einher geht.

Der Arzt kann Diabetes anhand von Untersuchungen von Blut und Urin diagnostizieren: Ein wiederholt abnorm hoher Blutzuckerspiegel bei der morgendlichen Blutabnahme im nüchternen Zustand ist ebenso ein deutliches Indiz wie der Nachweis von Glucose und / oder ein erhöhter Wert von so genannten Ketonkörpern (Stoffwechselprodukt der Leber) im Urin. Ein Glukosetoleranztest liefert weitere Hinweise, die Bestimmung des Blutwertes HbA1c gibt Auskunft über den Blutzuckerspiegel während eines längeren Zeitraums.

Bei den beiden häufigsten, hier beschriebenen Diabetesformen zielen alle Behandlungsformen darauf ab, einerseits dem Betroffenen ein möglichst normales, beschwerdefreies Leben zu ermöglichen und anderseits das Entstehen von Folgeschäden zu verhindern. Für Typ 1-Diabetiker ist es lebensnotwendig, das täglich benötigte Insulin mittels Injektionen von außen zuzuführen. Hierfür stehen dem Betroffenen nach einer ausführlichen Schulung kleine Geräte zur eigenständigen Bestimmung des Blutzuckerspiegels zur Verfügung. Außerdem erhält er Injektoren zur einfachen Einbringung des Insulins unter die Haut (subkutan), die etwa die Größe eines Füllfederhalters haben und die benötigte Dosis entweder als Tagesgrundration (Basis) oder als Extraportion vor dem Essen (Bolus) enthalten. Nach einer Eingewöhnungsphase kommen die allermeisten Diabetiker mit dieser Therapie gut zurecht.

Die Behandlung von Typ 2-Diabetes ruht auf den Säulen Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion und Bewegung einerseits sowie medikamentöser Therapie und ggfs. ergänzende Insulininjektionen andererseits. Es steht eine Vielzahl von antidiabetisch wirksamen Medikamenten verschiedener Stoffgruppen und Wirkungsprinzipien zur Verfügung. Das oder die individuell am besten geeignete(n) Präparat(e) sollte entsprechend des Krankheitsbildes im Gespräch mit dem behandelnden Arzt gewählt werden. Hier werden auch die anzustrebenden Eckwerte als Behandlungsziele festgelegt, also der Nüchtern-Blutzuckerwert, der Blutdruckwert, der Cholesterinwert und weiteres. Darüber hinaus sensibilisiert der Arzt den Patienten auch für die Symptome und ggfs. die Gegenmaßnahmen bei einer möglichen Unterzuckerung, etwa bei Insulinüberdosierung oder wenn versäumt wurde, nach einer Insulingabe ausreichend zu essen.

Die regelmäßigen Untersuchungsergebnisse mit allen relevanten Werten sollten Diabetiker in einem speziellen Gesundheitspass dokumentieren. Wenn Sie interessiert sind, sich in das Themenfeld Diabetes, seine Formen und Behandlungsmöglichkeiten weiter zu vertiefen, empfehlen wir hierzu etwa das Online-Angebot der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und das Kompetenznetz Diabetes mellitus.

Kommentar verfassen