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Ihre Gesundheit

Julius Wolff (1836 – 1902)

Hier würdigen wir einen Arzt, Forscher und Hochschullehrer, der mit den Erkenntnissen seiner über 40 – jährigen Schaffenszeit maßgeblich dazu beigetragen hat, die Orthopädie als eigenständiges medizinisches Fachgebiet zu etablieren: Julius Wolff war der erste Professor für Orthopädie an der Berliner Charité sowie Begründer und Direktor der ersten Poliklinik für orthopädische Chirurgie in Berlin.

Julius Wolff wird am 21. März 1836 in Märkisch Friedland / Westpreußen (heute Miroslawiec, Polen) geboren. Mit dreizehn Jahren führt ihn sein Bildungsweg nach Berlin, wo er das Gymnasium „Zum Grauen Kloster“ besucht, um nach dem Abitur von 1855 bis 1860 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (der heutigen Humboldt-Universität) Medizin zu studieren. Sein Hauptinteresse gilt der Chirurgie, hierbei vor allem jenen Eingriffen, die den menschlichen Knochenapparat betreffen. Im Jahr 1860 schließt er sein Studium mit einer Dissertation zum Knochenaufbau („De Artificiali Ossium Productione in Animalibus“) ab; sein Doktorvater ist der langjährige Direktor der chirurgischen Klinik an der Berliner Charité, Bernhard von Langenbeck (1810 – 1887). Im folgenden Jahr eröffnet er eine eigene Praxis und wird Gutachter (Vertrauensarzt) bei einer Lebensversicherung. Das ungebrochen große Interesse an der chirurgischen Forschung treibt Julius Wolff dazu, seine experimentellen Untersuchungen zum Wachstum und zur inneren Struktur von Knochen weiter fort zu führen. Im Jahre 1868 habilitiert sich Wolff und wird Privatdozent an der Berliner Universität. Darüber hinaus nimmt er als Militärarzt an den drei Preußischen Kriegen (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich), die letztlich zur Reichsgründung 1871 führen, teil; für sein Engagement wird er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Prof. Dr. med. Julius Wolff

In den1870er Jahren ist Julius Wolff weiterhin als Arzt und Hochschullehrer tätig; in zeitgenössischen Berichten ist von seiner Person als „Vollblutwissenschaftler“ die Rede, der seine Erkenntnisse transparent vermitteln und andere begeistern kann. Angehende Mediziner und andere Interessierte kommen teils von weit her, um Wolff live zu erleben. Im Jahr 1882 erweitert er seine Arztpraxis zur „Privaten Heilanstalt für Chirurgische Krankheiten“, nun in unmittelbarer Nähe der Universitätsklinik gelegen. 1884 wird er zum außerordentlichen Professor ernannt, zwei Jahre später ist er Mitbegründer und Vorstandsmitglied der »Freien Vereinigung der Chirurgen Berlins«. Im Jahr 1890 kommt es schließlich zur Gründung einer zunächst noch als „provisorisch“ bezeichneten »Poliklinik für orthopädische Chirurgie« an der Charité – unter der Leitung von Julius Wolff, der die Einrichtung zunächst auch aus eigener Tasche finanziert.

Seine in drei Jahrzehnten gesammelten Erkenntnisse aus Forschung und medizinischer Praxis fasst Wolff 1892 in einer wissenschaftlichen Publikation zusammen, die bis heute als Standardwerk der modernen Orthopädie gilt (und als Neuauflage wieder im Buchhandel erhältlich ist): „Das Gesetz der Transformation der Knochen“. Die Kernaussage der Arbeit ist, dass menschliche Knochen nach Art der Belastung („Inanspruchnahme“) oder Einwirkungen auf die äußere Form entsprechend ihre innere Struktur verändern und sich regenerieren können. Das Ganze vollziehe sich nach mathematischen Regeln. Julius Wolff bezieht sich hierbei auf Erkenntnisse des Pathologen Rudolf Virchow, wonach ohne Reiz keine organische Arbeit bzw. keine Entwicklung stattfindet. Laut Wolff ist die Natur unter normalen Bedingungen bestrebt, die Funktion der Knochen zu erhalten, unter pathologischen Bedingungen, sie wieder herzustellen: „Regeneration ist die Wiederholung eines normalen Vorgangs“. Man bedenke, dass Julius Wolff all diese Erkenntnisse noch ohne die Hilfe der heutigen bildgebenden Diagnostikverfahren gewonnen und validiert hat; selbst die Röntgenstrahlen wurden erst 1895 entdeckt. Auch Wolff erkannte deren Potential für medizinische Anwendungen und setzte sich fortan nachdrücklich für die Entwicklung funktionsfähiger Untersuchungsapparate ein.

Die von Julius Wolff geleitete „provisorische“ orthopädische Poliklinik wird im April 1894 eine „offizielle“ Institution, deren Etat nunmehr von der Universität getragen wird, um schließlich 1901 in die Charité integriert zu werden, jetzt als „Königliche Universitäts-Poliklinik“. Zuvor (1899) hatte Wolff von der Universität den Ehrentitel „Geheimer Medizinalrat“ erhalten. Am 15. Februar 1902 erleidet Julius Wolff mit 66 Jahren einen Schlaganfall und stirbt drei Tage später. Er wird auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Noch im selben Jahr kommt es zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie.

Die Arbeiten von Julius Wolff haben bis heute eine hohe Relevanz in der Knochen- und Muskelforschung. Seit 2008 gibt es am Berliner Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, ein „Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration“ als Zusammenschluss mehrerer universitärer Forschungseinrichtungen. Hauptanliegen des Instituts ist -im Sinne von Julius Wolff- die weitere Verbesserung der Patientenversorgung und die praktische Nutzbarmachung von Innovationen bei Implantaten im Bereich des Gelenkersatzes und der Frakturversorgung.

Text: Alexander Strauch    Foto: Institut für Historie der Medizin der Charité

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