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Alois Alzheimer (1864 – 1915)

Alois Alzheimer - Wikipedia

Alois Alzheimer - Wikipedia

Der Neuropathologe und Psychiater Alois Alzheimer: Sein Name steht heute für die häufigste Form von Demenzerkrankungen. Eine Popularität, die ihm zu Lebzeiten nicht zuteil wurde, erst Jahrzehnte später werden seine Erkenntnisse richtig eingeordnet und gewürdigt.

Alois Alzheimer wird am 14. Juni 1864 im unterfränkischen Marktbreit als Sohn eines Notars geboren und besucht später das Gymnasium in Aschaffenburg, wo er bereits reges Interesse an den naturwissenschaftlichen Fächern zeigt. Nach dem Abitur 1883 beginnt er ein Medizinstudium in Berlin, das ihn über Tübingen nach Würzburg führt. Alzheimers 1887 vorgelegte Doktorarbeit “Über die Ohrenschmalzdrüsen” hat zwar nichts mit seinem späteren Fachgebiet der Psychiatrie zu tun, zeigt aber sein Interesse für Anatomie und Mikroskopie.

1888 tritt er eine erste Stelle als Assistenzarzt an der städtischen „Anstalt für Irre und Epileptische“ (auch genannt das „Irrenschloss“) in Frankfurt am Main an. Direktor der Anstalt ist zu dieser Zeit noch der Psychiater und Autor Heinrich Hoffmann (1809 – 1894), bekannt etwa durch das Kinderbuch vom „Struwwelpeter“. Hoffmann geht indes im selben Jahr in den Ruhestand, sein Nachfolger und somit Vorgesetzter Alzheimers wird Emil Sioli (1852 -1922). Zusammen mit Alois Alzheimer und Oberarzt Franz Nissl (1860 -1919), der 1889 an die Anstalt kommt, wird ein neuartiges Konzept zur Betreuung und Therapie Geisteskranker erarbeitet und umgesetzt: Statt der bisher üblichen bloßen Verwahrung Kranker mit Zwangsmaßnahmen wie Fixierungen und Zwangsernährung setzen die Mediziner nun auf beruhigende Bäder, Bewegung im Klinikpark und persönliche Zuwendung. Außerdem werden alle Fälle genau dokumentiert, um eine Wissensbasis für weitergehende Forschungen aufzubauen.

Darüber hinaus widmet sich Alzheimer intensiv der Suche nach den organischen Ursachen für Geisteskrankheiten durch Untersuchung von Gehirnen Verstorbener. Mit dem Wechsel von Franz Nissl zur psychiatrischen Universitätsklinik nach Heidelberg 1895 wird Alois Alzheimer Oberarzt in Frankfurt und heiratet. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor; seine Frau Cecilie stirbt bereits im Februar 1901 an einer Angina. Zur Trauerbewältigung intensiviert Alzheimer sein Arbeitspensum. So widmet er sich auch im November 1901 einer neu in die Anstalt kommenden 51-jährigen Patientin namens Auguste Deter, die von ihrem besorgten Mann eingeliefert wird, da sie in den letzten Monaten eine starke Persönlichkeitsveränderung zeigt. Alzheimer untersucht und befragt die Frau; er stellt fest, dass sie in der Tat nur wirres Zeug hervorbringen kann, keinerlei Orientierung über Zeit und Ort hat und starke Stimmungsschwankungen zeigt. Alzheimers Forscherinstinkt ist geweckt, besonders hinsichtlich der Frage, wodurch solch ein Zustand massiver geistiger Verwirrung schon in relativ jungen Jahren entstehen kann – dass Menschen im hohen Alter oft geistig verwirrt sind, gilt damals als „normale“ Alterserscheinung.

Auguste Deter - Erste Alzheimer Patientin

Auguste Deter - Erste Alzheimer Patientin

Alois Alzheimer wechselt 1902 ebenfalls nach Heidelberg zur psychiatrischen Uniklinik, als wissenschaftlicher Assistent von Prof. Emil Kraepelin (1856 – 1926). Als dieser 1903 nach München geht, nimmt er Alzheimer mit – als Leiter des anatomischen Laboratoriums der dortigen Nervenklinik. Hier habilitiert er sich 1904 mit der Arbeit “Histologische Studien zur Differentialdiagnose der progressiven Paralyse.” In München bekommt Alois Alzheimer dann im April 1906 auch die Nachricht, dass seine ehemalige Patientin Auguste aus Frankfurt verstorben sei. Er lässt sich die gesamte Krankenakte und das entnommene Gehirn schicken, seziert dieses und führt mikroskopische Untersuchungen durch. Hierbei entdeckt er pathologische Veränderungen der Hirnstruktur, die offenbar für den geistigen Verfall der Patientin verantwortlich waren: Abgestorbene Areale von Nervenzellen sowie herdförmige Eiweiß-Einlagerungen (Jahrzehnte später bezeichnet man diese als ein “anormales” Protein, das Amyloid). Das Besondere hierbei liegt aber darin, dass es sich um eine Demenz handelt, bei der keine Arteriosklerose im Gehirn vorliegt. Im November 1906 stellt Alzheimer auf einer Ärztetagung in Tübingen dieses Krankheitsbild als eigenständige Krankheit vor („Eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde“). Die Präsentation wird von den Fachkollegen zwar interessiert aufgenommen, von den meisten aber als nicht sonderlich relevant angesehen; man ordnet das Leiden als seltene Variante von „normalem“ Altersschwachsinn ein. Es ist Alzheimers Chef und Förderer Emil Kraepelin, der 1910 in seinem Lehrbuch für Psychatrie das von Alzheimer beschriebene Krankheitsbild als eigenständige Erkrankung bestätigt und hierfür erstmals den Begriff „Alzheimersche Krankheit“ einführt.

Kraepelin ist es auch, der durch Fürsprache maßgeblichen Anteil daran hat, dass Alzheimer im Jahr 1912 als Nachfolger von Karl Bonhoeffer (1868 – 1948) die Professorenstelle für Psychatrie an der Friedrich-Wilhelm-Universität im schlesischen Breslau antreten kann. Dies wird seine letzte Lebensstation: 1915 erkrankt Alois Alzheimer schwer und stirbt schließlich am 19. Dezember 1915 an Nierenversagen. Seine Grabstätte findet sich auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt / Main.

In das Interesse der breiten Öffentlichkeit gelangt “Morbus Alzheimer” erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, denn analog zur stetig steigenden Lebenserwartung wächst auch die Zahl der Betroffenen. Demenz vom Typ Alzheimer kann vereinzelt, wie Alois Alzheimer feststellte, auch schon in jüngeren Jahren entstehen; generell ist die Erkrankung jedoch ein typisches Altersleiden. Es mag zynisch klingen, ist jedoch Tatsache: Ein hohes Lebensalter ist der größte Risikofaktor für das Entstehen einer Alzheimer-Demenz. Weltweit betrachtet zeigen noch unter einem Prozent der 60-jährigen entsprechende Symptome; das Erkrankungsrisiko steigt jedoch bis zum 90. Lebensjahr auf etwa 30 Prozent an.

Text: Alexander Strauch

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