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Ihre Gesundheit

Die gesunde Fahrradreise

Das muskelgetriebene Fahrrad war nach dem Reiten eines Tieres weltweit das erste Individualverkehrsmittel und ist bis heute das mit Abstand preiswerteste geblieben. Die heutige Bauform mit zwei gleich großen Laufrädern an einem trapezförmigen Metallrahmen und Antrieb des Hinterrades durch Pedale und Kette entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus den Vorläufern Draisine (Laufrad) und dem Hochrad. In Deutschland steht der Siegeszug des modernen Fahrrades im Zusammenhang mit der Industrialisierung, wurde es der Arbeiterschaft hiermit doch erstmals ermöglicht, auch größere Entfernungen vom Wohnort zur Arbeitsstätte in kürzerer Zeit zu bewältigen.

...antike Fahrräder...

…antike Fahrräder…

Der Freizeitwert dieses Fahrgeräts gewann indes erst später an Bedeutung, nämlich in dem Maße, in dem der arbeitenden Bevölkerung insgesamt mehr Freizeit durch gesetzlich limitierte Arbeitszeiten und bezahlte Urlaubstage zugestanden wurde. Doch das Fahrrad blieb für die meisten Deutschen noch bis in die 1970er Jahre ein reines Kurzstreckengefährt, mit dem neben den täglichen Fahrten zur Arbeit, zum nächsten Bahnhof oder zur nächsten Einkaufsstätte höchstens mal ein Tagesausflug zum Baden unternommen wurde.

Regelrechter Fahrradtourismus, also Reisen mit dem Fahrrad, ist hierzulande eine noch recht junge Entwicklung seit etwa 1980. Die Gründe für die immer weiter wachsende Popularität von Fahrradreisen sind vielfältig: Es geht beispielsweise um gestiegenes Umweltbewusstsein, unmittelbares Erleben der Natur, Steigerung der körperlichen Fitness, Möglichkeit der individuellen Routenplanung und -Änderung oder persönliche Erfolgserlebnisse und Glücksgefühle nach dem Bewältigen einer Etappe. In den letzten Jahren haben jeweils über zwei Millionen Deutsche ein- oder mehrmals Urlaub mit dem Fahrrad gemacht – Tendenz weiter steigend.

Was aber gilt es alles zu beachten, damit der Urlaub mit dem Fahrrad ein voller Erfolg wird? IGTV hat hierzu einen Experten befragt: Mike Schmidt vom Fahrradladen Velocity in Berlin-Lichterfelde stand uns Rede und Antwort.

IGTV: Welche Vorbereitungen sollte man treffen, damit die Radreise rundum gelingt?

„Natürlich – zuerst eine Route ausarbeiten. Dafür gibt es diverse Internetforen, die gute alte Landkarte oder moderne, kleine GPS-Fahrradcomputer, auf welche man eine ausgesuchte Route aufspielen kann und diese dann einfach ‘abfährt’.

...mit Fahrrad an den Strand...

…mit Fahrrad an den Strand…

An Ausrüstung unbedingt dabei haben sollte man ein kleines Erste-Hilfe-Set (z.B. von Ortlieb praktisch und wasserdicht verpackt für Outdoor-Aktivitäten) sowie mindestens einen Ersatzschlauch. Zusätzlich klassisches Flickzeug. Ein platter Schlauch ist die häufigste Pannenursache! Selbstklebende Flicken (dies geht schneller als Vulkanisieren – einfach auf das Loch aufkleben und wieder montieren). Im Fachhandel gibt es auch pannensichere Schlauchlossysteme: Wo kein Schlauch ist, kann auch keiner kaputt gehen! Dann ist die Mitnahme eines Reifenflickens empfehlenswert (falls man sich an einem Stein den Reifen aufschlitzt, wird dieser von innen in den Reifen geklebt und hält sehr gut). Luftpumpe und Reifenheber natürlich sowie ein “Minitool” (kompaktes, faltbares Werkzeug für fahrradspezifischen Einsatz), Kabelbinder (damit kann man zur Not ein abgerissenes Schaltwerk befestigen), je einen Schalt- und Bremszug (können immer mal reißen) und ein Kettenschloss, falls die Kette reißt. Je nach Länge der Reise auch Kettenöl, ein, zwei Energieriegel, falls mal die Puste ausgeht, und Trinkflaschen – mindestens 2 Stück. Sollten keine zwei Flaschenhalterösen am Rahmen sein, kann man die Flaschenhalter mit Adaptern auch an anderen Stellen des Rades montieren. Wasserdichte Packtaschen, Regenjacke und -Hose. Generell empfiehlt es sich, vor Reiseantritt eine Inspektion des Rades durchführen zu lassen. Nichts ist ärgerlicher als eine vorzeitig beendete Tour, weil etwa die Bremsbeläge doch schon verschlissener waren als man dachte, oder wenn am Berg die Schaltung nur rasselt aber nicht mehr vernünftig schaltet. Fahrradbekleidung gehört natürlich auch dazu: Eine gute Radhose mit Polster, ein Trikot, Handschuhe, Helm und Brille. Die Funktionsbekleidung hält die Haut trocken und scheuert nicht.“

Welche Rolle spielt des eigene Fahrrad (City / Trekkingrad, Mountainbike, Rennrad) bei der Planung einer Fahrradroute?

„Jeder Radtyp und jede Radgröße hat spezifische Vor- und Nachteile. Ein 26″-Freak wird niemals mit einem 28″-Rad auf die Reise gehen und umgekehrt. Das Optimum gibt es nicht, alles ist vielmehr Geschmacks- und Erfahrungssache. Ein kleines Laufrad (26″) lässt sich etwas leichter und schneller Beschleunigen (z.B. am Berg) und ist durch den geringeren Durchmesser tendenziell stabiler. Das große Laufrad (28″) hält besser die Geschwindigkeit und rollt leichter und sicherer über Hindernisse. Interessant ist hierbei die Tatsache, dass der absolute Außendurchmesser eines 26″-Rades mit breiter Bereifung nahezu identisch ist mit dem eines 28″-Rades mit schmaleren Reifen. Wir reden hier von nur ca. 1,5 cm Größenunterschied. Da spielt die gesamte Geometrie des Rahmens eine viel größere Rolle. Ein MTB ist eher für größere Lasten geeignet als ein Rennrad. Begriffe wie “Trekking”,  “Reiserad”, “ATB” usw. sind mit Vorsicht zu genießen und versprechen oft mehr als wirklich dahinter steckt. Wo ist die Grenze? Was unterscheidet ein Trekkingbike von einem Tourenrad? Lassen Sie sich nicht von Marketingsprech verwirren, probieren Sie verschiedene Arten und Modelle bei einem Fachhändler selbst aus.“

...mit Familie in die Berge...

…mit Familie in die Berge…

Nun ist es ja ein großer Unterschied, ob ein trainierter Alltagsfahrer oder ein unbedarfter Gelegenheitsradler einen Fahrradurlaub plant. Wie können sich “Freizeit-Radfahrer” gut auf ihre Radreise vorbereiten?

„Trainieren… natürlich! Wie fühlt es sich an, wenn man mal 60 Kilometer am Stück auf dem Sattel abreißt? Tut es schon nach 30 Minuten weh? Dann stimmt zumeist etwas nicht mit der Sitzposition. Ergonomische Griffe und Sättel können da deutliche Besserung bringen. Fahren Sie auch im Alltag so oft es geht mit dem Rad, damit man sich nicht auf der Tour plötzlich wundert, dass Handgelenke schmerzen oder der linke Fuß kribbelt.“

Aus redaktioneller Sicht möchten wir hierzu ergänzen, dass -wie auch bei anderen Reiseformen- natürlich der individuelle Gesundheits- und Fitnessstatus Beachtung finden muss. Wenn körperlich völlig untrainierte Personen sich plötzlich große Fahrradetappen zumuten, wird dies rasch zu völliger Erschöpfung durch Überlastung des Herz-Kreislaufsystems und des Bewegungsapparates führen. Bei sommerlich warmem Wetter droht zusätzlich Gefahr von Kreislaufproblemen durch Sonnenstich, Hitzschlag, Dehydrierung und Ähnliches. Personen mit bekannter Vorschädigung des Herz-Kreislaufsystems oder orthopädischen Erkrankungen müssen ihre Reisepläne unbedingt mit dem behandelnden Arzt absprechen. Und natürlich sollten Pollenallergiker daran denken, dass die Radtour durch blühende Sommerwiesen ohne entsprechende Medikation nicht unbedingt ein Vergnügen ist.

Text: Alexander Strauch

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